Adagio

26. Oktober 2008 · 16:39
von OJ

Aus der simplen Tatsache, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft das Jahr 2009 schreiben, lässt sich vermutlich schon ersehen, dass es mit meinem optimistischen Fertigstellungstermin „Frühjahr 2005“ nicht allzu weit her war. Denn nachdem der grobe Rahmen feststand und ich Anfang 2005 begonnen hatte, die Geschichte tatsächlich zu erzählen, gab etwas etwas privaten Tumult, der mich die ganze Idee komplett begraben und vergessen ließ.

Zum Ende des Jahres merkte ich dann aber, dass mir die Geschichte immer wieder in den Sinn kam und ich sie einfach zu Ende erzählen wollte. Deshalb nutzte ich meine einstündigen U-Bahn-Fahrten zur Arbeit und zurück ausführlich dazu, erst die Geschichte als Treatment und dann, so ab Frühjahr 2006, das Drehbuch selbst zu schreiben. Dabei gab es immer wieder Phasen, in denen mir Ideen und/oder Energie fehlte und ich für Tage oder Wochen keine Zeile zu Papier brachte.*

Der große Trick ist, dass ich beim Schreiben Leben um mich herum brauche. Die U-Bahn ist dazu schon ganz gut geeignet, aber noch besser klappt es ein einem Café, wie ich im Dezember 2006 in Amsterdam ausprobiert habe, als der Weg vom Flughafen zum ‚Skek so reibungslos klappte, dass ich eine glatte Dreiviertelstunde zu früh da war. Nach der Jahreswechsel-Hektik habe ich das dann in Hamburg bei den Eisdeerns auf halber Strecke zwischen Arbeit und Zuhause nochmal ausprobiert, was mir so gut gefiel, dass ich von da an ein- bis zweimal wöchentlich dort auftauchte — bis der Frühling nahte und der Laden nonstop voller schreiender oder zumindest lautstark spielender Kinder war, was mich zwar für die Inhaberinnen Moigge und Geeske freute, aber dann doch zu viel Leben zum Schreiben war.

Den Sommer über habe ich dann wieder mehr in der Bahn geschrieben, bin aber im Herbst wieder zu den Eisdeerns zurückgekehrt. Und Hallowe’en 2007 — 18:04, sagt meine Notiz — habe ich dann dort endlich die letzte Szene schreiben können, die ich seit dem ersten Abend im Irish Rover drei Jahre vorher im Kopf gehabt hatte, und Mitte Februar 2008 war dann tatsächlich etwas fertig, das ich mich traute, „erste Fassung“ zu nennen.

Faszinierend war dabei, dass die Länge genau so war, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Mir war schnell klar geworden, dass die Geschichte zu lang für ein durchgängiges Hörspiel sein würde; weniger aus Rücksicht auf den Hörer, sondern mehr unseretwegen, weil wir sonst ca. zweieinhalb Stunden Hörspiel hätten aufnehmen und mixen müssen, bevor wir das erste Fitzelchen externes Feedback bekommen hätten. Ich hatte daher immer an sechs Folgen gedacht** und an einigen Stellen Notizen gemacht, dass hier ein mögliches Folgenende wäre. Und wundersamerweise hatte ich auf den Seiten 26, 52, 78 und 130 eine solche Notiz, nur für Seite 104 musste ich ein Folgenende erfinden, aber auch da passte es wunderbar.

(to be concluded)

  1. * Ja, ich schreibe mit der Hand auf Papier und tippe das dann später ab, was gleichzeitig als erste Überarbeitung dient. (Teilweise zwangsläufig, weil ich meine eigene Handschrift aus Bus und Bahn nicht mehr lesen kann.)
  2. ** Keine Ahnung, wie ich auf die Zahl kam; ich fürchte, es könnte was mit Star Wars zu tun haben, ist aber keine Absicht. Und vor allem fängt es nicht bei Folge 4 an. Das große Marketing-Bohei um „Episode I„, auch wenn es schon neun Jahre her ist, ist allerdings der Grund, weshalb ich konstant von „Folgen“ spreche und nie von „Episoden“.

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