The road goes ever on

19. November 2009 · 18:54
von OJ

Nachdem ich wie gesagt vergangene Woche das mich seit März latent nervende Umschreiben der Endszene hinter mich gebracht habe, habe ich endlich wieder richtig Freizeit kann ich mich nun anderen anstehenden Aufgaben widmen. Zum einen ist da natürlich „das Übliche“, also das Schneiden der aufgenommenen Takes zu den endgültigen Szenen (wäre eigentlich am Wochenende noch dran gewesen, hatte ich aber am Samstag keine Energie mehr für, und am Sonntag keine Zeit), das (in letzter Zeit arg schleifen gelassene) Organisieren der verbleibenden Sprechertermine und das (sehr spaßige, aber auch enorm zeitaufwändige) Durchhören der Aufnahmesessions auf interessante Albernheiten, vulgo Outtakes.

Eigentlich hatte ich immer gesagt, dass ja nach den Aufnahmen die Zeit kommt, in der ich mich nach Jahren des Drehbuchschreibens und im Endeffekt vermutlich auch eines Jahres Sprechproben und Aufnahmen etwas zurücklehnen und Jan die Arbeit machen lassen kann. Es stellt sich bloß langsam heraus, dass es in der Postproduction so viel zu tun gibt, dass ich das Jan nicht allein zumuten kann, schon gar nicht als frischgebackener Vater. Also haben wir neulich mal ein bisschen skizziert, wie ich oder ggf. auch andere Leute behilflich sein können. Das Durchschauen des mit Jans und Sumires HD-Videokamera aufgenommenen Behind-the-scenes-Materials haben wir z.B. bereits an Don abgegeben, aber für mich bleiben nach dem neulich gefassen Plan noch Themen wie:

Durchhören der bisher fertig geschnittenen Szenen. Sozusagen die „Endabnahme“ der Szenen. Gerade am Anfang habe ich einfach den bei der Aufnahme als optimal markierten Take genommen und vielleicht noch einen Satz oder zwei ersetzt, wenn ein auffälliger Versprecher drin war. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, für jeden Satz, den ich nicht 100%ig perfekt finde — o Wunder, sowas gibt’s dann beim In-Ruhe-nochmal-Durchhören relativ oft doch noch –, in allen Takes eine bessere Version zu suchen. Das könnte ich damit für mindestens die bis März/April aufgenommenen Sessions nachholen.

Einfügen von Platzhalter-Geräuschen. Das habe ich für die ersten acht Szenen oder so Anfang des Jahres mal gemacht, aber damals bei unserer sehr kurzen (und rückblickend vielleicht etwas verfrühten) Serie mit Soundmix-Beispielen nicht mitveröffentlicht, weil es ganz schön peinlich war. Das ist noch eine wichtige Regie-/Schnitt-Aufgabe, weil erst dadurch das Timing der Szene endgültig festgelegt wird.

Liste der benötigten Geräusche erstellen. Das ergibt sich quasi nebenher beim Einfügen der Platzhalter-Geräusche und erzeugt kaum Zusatzarbeit, wenn ich etwas überlegt vorgehe. Hier ist natürlich der Vorteil, dass Jan mit einer solchen Liste etwas besser einschätzen kann, in wieviel Varianten er z.B. die Geräusche eines Sessels aufnehmen muss.

Unterstützung beim Aufnehmen und Schneiden der Geräusche nach der o.g. Liste. Muss man, glaube ich, nicht groß erklären, aber es ist natürlich ziemlich zeitraubend.

Temp-Musik finden und einfügen. Sowas ist bei Filmen ja gang und gäbe, und gerade in Anbetracht unserer Musiker-Situation* ist es sicher auch bei uns sinnvoll, die momentan nur als „MUSIK (SPANNEND)“ oder „MUSIK: TIME-CUT (HOFFNUNGSVOLL)“ oder so vorhandenen Musikpausen auch außerhalb meines Kopfes etwas konkreter zu machen. Wie einer unserer Sprecher so richtig bemerkte, ist der Score zu „Moon“** ein guter Ausgangspunkt. Ich zögere lediglich etwas, weil ich Angst habe, meine Lieblingsmusik („Moon“ und andere) durch hundertmaliges Hören kurzer Passagen auf ewig nur noch mit diesem Hörspiel zu verbinden.

Modellieren der Szenen in 3D und Einstellen der Bewegungen. Das klingt jetzt vielleicht etwas esoterisch — ich habe Jans Grobkonzept zu dem Thema erst richtig verstanden, oder vielmehr glauben können, als er mir das mal am Rechner demonstriert hat –, aber ein relativ grobe 3D-Darstellung der einzelnen Handlungsorte einschließlich der Platzierung und Bewegung der Geräusch- und Dialogquellen (auch „Sprecher“ genannt) erlaubt — nach der enorm aufwändigen Vorarbeit, die Jan gerade leistet — dann ein relativ einfaches Ermitteln des Sounds am jeweiligen Audiofokus, sozusagen der „Kameraposition“ — nicht zuletzt im Hinblick auf einen x.1-Surround-Mix. <handwedel/> Das hast du jetzt nicht gelesen. Du wirst nach Hause gehen und Dein Leben überdenken.

Atemgeräusche aufnehmen. Das „automatische Mitaufnehmen“ von Atemgeräuschen der zuhörenden Sprecher hat sich leider nicht so sehr bewährt. Auf jeden Fall schon mal deshalb, weil bei den beiden Hauptsprecher-Mikrofonen das Übersprechen des gerade Sprechenden am anderen Mikro lauter ist als das Atmen des direkt vor dem Mikro stehenden Sprechers. Und das Atmen, was dann manchmal doch zu hören ist, lässt oft weniger auf „oh, wie interessant/bewegend, was der oder die andere da gerade sagt“ schließen als auf „hoffentlich verpasse ich gleich meinen Einsatz nicht oder verspreche mich wieder bei diesem einen Satz“. Deshalb wollen wir unsere drei wichtigsten Sprecher ihre gesamten Szenen noch mal als reine „Atmer“ durchspielen lassen. Das muss dann natürlich auch wieder geschnitten und dazugemixt werden.

Es gibt also noch ein bisschen was zu tun. Wenn ich mir das so angucke, frage ich mich, ob ich die derzeit in der FAQ geäußerte Schätzung von „Frühjahr 2010“ nicht nochmal überdenken sollte…

  1. * +++ Breaking News: Jan meint, er habe noch nicht genug zu tun und will auch die Musik machen. +++ Habe ich ja absolut nichts gegen, aber da ja auch noch etliche Monde ins Land gehen werden. bis das mit der Musik akut wird, habe ich die Suchanzeige erstmal drin gelassen.
  2. ** Noch kein deutscher Starttermin, lief im Sommer schon mal vorab auf dem Fantasy Filmfest. DVD und Score-CD (und Blu-Ray, natürlich) sind in England aber schon erhältlich. Der Film ist vermutlich mein Lieblingsfilm von 2009. Ende der Werbung.
Kategorie: Allgemeines
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