Was genau passiert eigentlich, wenn ein Haufen Laien ein Hörspiel in sechs Teilen produziert? – Zweiter Teil

25. September 2013 · 14:04
von Jan

Wie schon im ersten Teil erwähnt, endet der Spaß eigentlich dann, wenn die Aufnahmearbeiten abgeschlossen sind. Dann beginnt die wirkliche Arbeit, und das ist ein ziemlicher Knochenjob, für den man sehr viel Disziplin braucht – keine Übertreibung. Selbst wenn das ganze Projekt ein Hobby ist, gab, und gibt es, Momente, in denen ich mir philosophische Fragen gestellt habe, die auf den Sinn der ganzen Angelegenheit bezogen sind. „Wieso opfern Menschen so viele Jahre ihres Lebens, um andere Menschen zu unterhalten?“, ist eine davon. Ich glaube, meine Hauptmotivation bleibt die, daß ich das Projekt einfach fertigstellen möchte.

Unser Regisseur hatte die erste große Etappe zu bewältigen: er mußte aus allen Aufnahmen die besten Ergebnisse extrahieren und zu zusammenhängenden Dialogen zusammenschneiden. Dabei war es wichtig, auch das Timing beizubehalten oder wiederherzustellen, weil ein bedeutender Satz zum falschen Zeitpunkt all seine Wirkung verlieren könnte. Auch wenn aus allen Aufnahmen möglichst die besten Versionen verwendet wurden, konnte es vorkommen, daß diese wegen unterschiedlicher Betonungen nicht zueinander paßten, so daß Kompromisse eingegangen werden mußten. Man darf nicht vergessen, daß wir das eben nicht beruflich machen. Nach einer Zeit von mehreren Monaten jedenfalls hatte der Regisseur sowas wie einen Rohschnitt von Folge 1, und auch von den anderen Folgen gab es schon was.

Währenddessen, also eigentlich schon nachdem das Skript fertig war, hatte ich Zeit, die ersten Planungen bezüglich der Szenenbearbeitung und der eingesetzten Geräusche vorzunehmen, da das Skript ja schon vorhanden war. Das hatte aber leider nicht wie geplant funktioniert, weil mir viele Dinge einfach nicht klar waren. Wir hatten verschiedene Klärungsmethoden ausprobiert, bis Olli ein zusätzliches Dokument verfaßte, in dem so eine Art Storyboard pro Szene festgehalten ist. Vielleicht kann man es nicht Mißverständnisse nennen, aber Olli (der Regisseur) und ich (der Techniker) hatten immer wieder Diskussionen darüber, wie einzelne Geräusche und auch der Hintergrund eigentlich klingen sollten, und wann.

Zu Beginn des Projekts hatte ich noch den sehr hohen Anspruch, alles so realistisch klingen zu lassen wie möglich. Das bezog sich besonders auf die Wahrnehmung der jeweiligen Örtlich-/Räumlichkeiten aber auch auf die Dialoge. Erst im Laufe der Zeit sah ich ein, daß ein Hörspiel tatsächlich nicht die Abbildung der Realität sondern ein Kunst-Werk im wahrsten Sinne des Wortes ist: es ist alles künstlich. Vielleicht ist auch ein wenig Kunst dabei, aber es kommt so oder so darauf an, bestimmte Stimmungen zu kreieren. Da ich nie Wahrnehmungspsychologie oder sonstiges studiert habe, gab es bei meiner Arbeit jedoch kein System, sondern alles geschah, und tut es immer noch, aus dem Bauch heraus. Das Endergebnis dürfte also Geschmackssache sein. Ich vermute, ähnlich kann man auch über die Dialoge denken.

Was in dem vorangegangenen Absatz zusammengefaßt steht, war in Wirklichkeit ein Prozeß, der sich über mehrere Jahre hinzog. Obwohl ich schon zuvor ein wenig Erfahrung in der Arbeit an Hörspielen gesammelt hatte, war ich absolut nicht auf die Anforderungen vorbereitet, die auf mich einstürmten. Daß die erste Folge insgesamt etwa zwei Jahre gebraucht hatte, bis sie hörbar war, lag an dem immensen Aufwand an Recherche, den ich betrieben hatte. Und es galt, wie schon immer, von anderen zu lernen, um das zu identifizieren, das einem gefällt, um es selbst anzuwenden, ohne zu kopieren.

Gerade die Umsetzung des zuvor Gesagten führte dazu, daß auch Olli einige Aha-Effekte hatte, wenn es um den Einsatz bestimmter Stilmittel ging. Hierzu zählte beispielsweise der instantane Wechsel des Ortes innerhalb eines Dialogs/Wortes. An dem Thema „Musik innerhalb der Szene“ arbeite ich noch.

Die Postproduktion hatte also begonnen und enthielt folgende Aufgabenbereiche:

  • Dialogschnitt (war Ollis Baby)
  • Anfertigen von Kulissen (Don Blender’s Job)
  • Szenenaufbau
  • Sounddesign
  • Musik

Impressionen zu den Teilaspekten gibt’s dann demnächst im dritten Teil.

Was genau passiert eigentlich, wenn ein Haufen Laien ein Hörspiel in sechs Teilen produziert? – Erster Teil

18. September 2013 · 21:57
von Jan

Nun ja, aufgrund der relativ ungleich verteilten Aufgaben (Sprecher vs. Produzenten) kann man den Haufen gleich in zwei Lager aufspalten, wobei das Produzententeam zunächst den Weg gemeinsam mit den Sprechern geht. Dieser Teil des Weges ist durchaus sehr gesellig und kurzweilig und dürfte allen Beteiligten, je nach Anstrengung, mehr oder weniger Spaß machen. Nach Abschluß der Sprachaufnahmen/Dreharbeiten schließen sich die Produzenten in einen einsamen Turm ein und bereiten die bisher gewonnenen Erzeugnisse auf. Von diesem Prozeß bekommt normalerweise kaum sonst jemand etwas mit und „Tadaa!“ ist eines schönen Tages dann alles fertig.

Wir sollten darauf hinweisen, daß der Enstehungsprozeß eines solchen Projekts sehr viel früher beginnt, nämlich mit der Arbeit des Autors. Dieser arme Kerl hat womöglich schon Jahre seines Lebens an der Erzählung gearbeitet, bevor daraus überhaupt mal etwas Anfaß- oder Hörbares werden kann. Obwohl es auch andere Projekte gibt, bei denen existente Romane, Bücher oder ähnliches zu Hörspielskripten umgewandelt werden, war es bei unserem Projekt so wie hier beschrieben: es wurde eine eigene Erzählung erstellt, mit dem Ziel, daraus irgendwann ein Hörspiel zu produzieren.

Nach Fertigstellung des Skripts folgte bei uns die Kritikphase (könnte man auch Lektorat nennen, wäre hier aber nicht angebracht), die, da wir mehr oder weniger alle Laien sind, allerdings relativ kurz ausfiel. Danach folgte die Organisation, beziehungsweise das Zusammentrommeln aller möglichen Sprecher aus dem nahen und fernen Freundeskreis. Da sich naturgemäß nicht jeder für jede Sprechrolle eignen konnte, gab es ein Auswahlverfahren im Rahmen eines Casting. Dieses Casting fand in einem, eigens dafür zusammengestellten, Studio statt, bei dem es sich eigentlich um die Wohnung des Drehbuchautors handelte. Nach dem Casting ging es mit den Sprechaufnahmen los, und an dieser Stelle begann das Sammeln von Erfahrungen.

Die löbliche Überlegung für die Aufnahmen bestand darin, die Szenen möglichst mit allen beteiligten Personen gleichzeitig, gewissermaßen wie ein reales Gespräch, festzuhalten. Hier machte uns jedoch die Technik, aber auch das Durchhaltevermögen der Beteiligten, einen Strich durch die Rechnung: abhängig vom Aufnahmetag befanden sich mehr oder weniger Störgeräusche, deren Herkunft sich bis zuletzt nur vermuten ließ, auf den Aufnahmen, wodurch diverse Takes wiederholt werden mußten, sofern die Störungen überhaupt bemerkt wurden. Der zweite Aspekt hätte uns eigentlich schneller klar werden müssen, nämlich daß die Sprecher auch nur Laien waren, wie wir, und daher die Reproduzierbarkeit des gesprochenen Wortes ein Problem darstellte. Erschwert wurde das sicherlich dadurch, daß die Vorbereitungen auf die Rollen nicht so ernsthaft passieren konnten wie das bei Profis vielleicht möglich gewesen wäre. Aber es handelte sich schließlich um eine Freizeitbeschäftigung.

Wir hätten uns aber Zeit bei der Postproduktion sparen können, wenn wir immer nur Textpassagen und keine ganzen Szenen aufgenommen hätten. Es hätte wohl auch gereicht, immer nur einen oder maximal zwei Sprecher gleichzeitig aufzunehmen, und die Auswahl der guten Takes sofort vorzunehmen, hätte zusätzlich Zeit bei der späteren Auslese gespart. Das waren die Lernerfahrungen.

Auf der anderen Seite hatten die Beteiligten, ob alle, weiß ich nicht, während dieser Projektphase viel Spaß, da, aufgrund der Vielzahl der Sprecher, im Aufnahmestudio immer viel Leben war – das nähme vielleicht ab, je professioneller solch ein Projekt angegangen wird. Obwohl die Aufnahmen insgesamt mehr als ein Jahr gedauert hatten, schien diese Zeit ziemlich schnell zu vergehen. Die ungewöhnlich lange Dauer der Aufnahmen war unter anderem den verschiedenen Terminplänen der Sprecher und dem oben angesprochenen Wunsch, die Szenen mit allen Beteiligten gleichzeitig aufzunehmen, geschuldet.

Im nächsten Teil geht es dann weiter mit der Postproduktion, einer Geschichte voller Mißverständnisse…

Folge 4

14. September 2013 · 21:14
von Jan

Die Arbeiten für Folge 4 werden noch dieses Jahr abgeschlossen sein.

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