Was genau passiert eigentlich, wenn ein Haufen Laien ein Hörspiel in sechs Teilen produziert? – Erster Teil

18. September 2013 · 21:57
von Jan

Nun ja, aufgrund der relativ ungleich verteilten Aufgaben (Sprecher vs. Produzenten) kann man den Haufen gleich in zwei Lager aufspalten, wobei das Produzententeam zunächst den Weg gemeinsam mit den Sprechern geht. Dieser Teil des Weges ist durchaus sehr gesellig und kurzweilig und dürfte allen Beteiligten, je nach Anstrengung, mehr oder weniger Spaß machen. Nach Abschluß der Sprachaufnahmen/Dreharbeiten schließen sich die Produzenten in einen einsamen Turm ein und bereiten die bisher gewonnenen Erzeugnisse auf. Von diesem Prozeß bekommt normalerweise kaum sonst jemand etwas mit und „Tadaa!“ ist eines schönen Tages dann alles fertig.

Wir sollten darauf hinweisen, daß der Enstehungsprozeß eines solchen Projekts sehr viel früher beginnt, nämlich mit der Arbeit des Autors. Dieser arme Kerl hat womöglich schon Jahre seines Lebens an der Erzählung gearbeitet, bevor daraus überhaupt mal etwas Anfaß- oder Hörbares werden kann. Obwohl es auch andere Projekte gibt, bei denen existente Romane, Bücher oder ähnliches zu Hörspielskripten umgewandelt werden, war es bei unserem Projekt so wie hier beschrieben: es wurde eine eigene Erzählung erstellt, mit dem Ziel, daraus irgendwann ein Hörspiel zu produzieren.

Nach Fertigstellung des Skripts folgte bei uns die Kritikphase (könnte man auch Lektorat nennen, wäre hier aber nicht angebracht), die, da wir mehr oder weniger alle Laien sind, allerdings relativ kurz ausfiel. Danach folgte die Organisation, beziehungsweise das Zusammentrommeln aller möglichen Sprecher aus dem nahen und fernen Freundeskreis. Da sich naturgemäß nicht jeder für jede Sprechrolle eignen konnte, gab es ein Auswahlverfahren im Rahmen eines Casting. Dieses Casting fand in einem, eigens dafür zusammengestellten, Studio statt, bei dem es sich eigentlich um die Wohnung des Drehbuchautors handelte. Nach dem Casting ging es mit den Sprechaufnahmen los, und an dieser Stelle begann das Sammeln von Erfahrungen.

Die löbliche Überlegung für die Aufnahmen bestand darin, die Szenen möglichst mit allen beteiligten Personen gleichzeitig, gewissermaßen wie ein reales Gespräch, festzuhalten. Hier machte uns jedoch die Technik, aber auch das Durchhaltevermögen der Beteiligten, einen Strich durch die Rechnung: abhängig vom Aufnahmetag befanden sich mehr oder weniger Störgeräusche, deren Herkunft sich bis zuletzt nur vermuten ließ, auf den Aufnahmen, wodurch diverse Takes wiederholt werden mußten, sofern die Störungen überhaupt bemerkt wurden. Der zweite Aspekt hätte uns eigentlich schneller klar werden müssen, nämlich daß die Sprecher auch nur Laien waren, wie wir, und daher die Reproduzierbarkeit des gesprochenen Wortes ein Problem darstellte. Erschwert wurde das sicherlich dadurch, daß die Vorbereitungen auf die Rollen nicht so ernsthaft passieren konnten wie das bei Profis vielleicht möglich gewesen wäre. Aber es handelte sich schließlich um eine Freizeitbeschäftigung.

Wir hätten uns aber Zeit bei der Postproduktion sparen können, wenn wir immer nur Textpassagen und keine ganzen Szenen aufgenommen hätten. Es hätte wohl auch gereicht, immer nur einen oder maximal zwei Sprecher gleichzeitig aufzunehmen, und die Auswahl der guten Takes sofort vorzunehmen, hätte zusätzlich Zeit bei der späteren Auslese gespart. Das waren die Lernerfahrungen.

Auf der anderen Seite hatten die Beteiligten, ob alle, weiß ich nicht, während dieser Projektphase viel Spaß, da, aufgrund der Vielzahl der Sprecher, im Aufnahmestudio immer viel Leben war – das nähme vielleicht ab, je professioneller solch ein Projekt angegangen wird. Obwohl die Aufnahmen insgesamt mehr als ein Jahr gedauert hatten, schien diese Zeit ziemlich schnell zu vergehen. Die ungewöhnlich lange Dauer der Aufnahmen war unter anderem den verschiedenen Terminplänen der Sprecher und dem oben angesprochenen Wunsch, die Szenen mit allen Beteiligten gleichzeitig aufzunehmen, geschuldet.

Im nächsten Teil geht es dann weiter mit der Postproduktion, einer Geschichte voller Mißverständnisse…

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