Zögerliche Wiederaufnahme der Arbeiten

29. November 2013 · 22:00
von Jan

Eine Woche ist jetzt vergangen, und heute abend habe ich das erste Mal wieder etwas an der Musik für Folge 4 gearbeitet. Die Umstellung auf die deutsche Zeit und Krankheiten der Kinder hielten mich davon ab, schon früher zu beginnen.

Interessant war, nach drei Wochen wieder Kopfhörer im Ohr zu haben und die Hörspielfolge im aktuellen Mix zu hören. Das klang alles irgendwie ganz anders – zuerst. Nach einigen Malen habe ich mich nun wieder darauf eingestellt. Es ist nur die Frage, wo die (akustische) Wahrheit liegt. Das ist eine Frage, die ich mir schon häufiger gestellt habe. Vielleicht bin ich schon taub gegenüber bestimmten Eigenheiten meines Mix.

Laut Drehbuch fehlen für Folge 4 nun noch zwei weitere Musikstücke, eines davon ist der Endtrack. Heute habe ich an dem Übergang von Szene 7 zu 8 gearbeitet, da war ich noch nicht ganz zufrieden mit der Instrumentierung. Obwohl die Änderungen nicht so weltbewegend waren, hatte es doch ziemlich lange gedauert, weil ich mich erst wieder reindenken mußte. Damit ist die Hälfte der Folge eigentlich grundsätzlich fertig, und den aktuellen Stand könnten Don und OJ schon hören, wenn sie wüßten, daß ich das in unserem Web-Share aktualisiert habe.

Nebenbei habe ich mir schließlich doch eine neue Festplatte angeschafft, die in Zukunft alle Arbeitsdaten zum Hörspiel speichern soll, da die alte Platte langsam keinen Platz mehr hatte. Die etwa 15 Gigabyte, die ich als Audiodaten aus Japan mitgebracht habe, hätten den Rahmen gesprengt. Beim Umkopieren stellte ich erschrocken fest, daß ich etwa 0,5 TB migrieren mußte. Dabei enthielten die Verzeichnisse noch nicht unsere „Making-Of“-Videos, das wären nochmal 300 GB gewesen.

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Bald geht’s weiter

22. November 2013 · 08:00
von Jan

Tja, nun sind wir auf dem Rückflug, und ich habe einige Nerven in Japan gelassen. Ich, für meinen Teil, werde froh sein, wenn innerhalb der nächsten zwei Wochen die Normalität, also unser Alltag, wiederherstellbar ist. Dazu gehört natürlich auch die Arbeit am Hörspiel. Wenn auch die Zwangspause mal ganz andere Erlebnisse zugelassen hatte, möchte ich gerne mal wieder etwas kreativ sein – darüber, daß so ein Effekt eintritt, wenn man keine Gelegenheit zur Kreativität hat, hatte ich neulich schon einmal geschrieben.

Nebenbei werde ich die mitgebrachten Audioaufnahmen auswerten. Das Meiste davon sind aber eher Erinnerungen, die ich in ein Reisevideo integrieren möchte – das ist aber ein anderes Projekt. Es war übrigens gar nicht so leicht, Audio- und Videoaufnahmen zu machen und gleichzeitig unsere Tochter davon abzuhalten, irgendeinen Unsinn anzustellen…

Ich werde mich nun wieder an die noch offenen Punkte von Folge 4 erinnern müssen, damit ich meinen Zeitplan einhalten kann. Die Musik ist zwar schon halb komplett, aber ich muß mich wieder reinhören und werde vielleicht einige Stücke überarbeiten. Nach einer so langen Pause stelle ich gerne mal meine bisherige Arbeit in Frage. Ich bin jedenfalls gespannt, wie lange ich brauche, um wieder die Routine zurückzugewinnen.

Geräuschejagd

20. November 2013 · 08:00
von Jan

Da ich von Natur aus Sammler bin, muß ich vorsichtig sein, daß ich keine Dinge sammle, die zuviel Raum einnehmen. Sammeln von Geräuschen ist da vermutlich das Richtige, weil die ja auf Festplatten bequem speicherbar sind. Daher habe ich fast immer meinen Audiorekorder dabei, um, wenn sich die Gelegenheit bietet, „scharfzuschalten“. Auf unserer Reise habe ich den natürlich auch dabei, aber mit Familie ist es etwas schwieriger, unterwegs etwas aufzunehmen.

Die Geräusche, die ich gesammelt habe, beziehen sich eher auf Atmos, so wie Zufahrten oder Flüge. Aber vielleicht kann ich sie irgendwann mal verwenden. Für Folge 4 zum Beispiel habe ich Aufnahmen genutzt, die von unserer vorletzten Japanreise stammen. Das rechtfertigt wenigstens, daß ich meine Audiodaten noch nicht aufgeräumt habe. Aber exotische Geräusche würde ich ohnehin nicht löschen, weil die Situation, in der sie aufgenommen wurden, nicht so leicht wiederkommt.

Tatsächlich ist, neben dem gezielten, auch das zufällige Aufnehmen reizvoll. Aber es kann eine längere Zeit vergehen, bis man solche Aufnahmen mal verwenden kann. Oft schaue ich in meine datierten Verzeichnisse und zweckentfremde auch schon gerne mal Geräusche, die im Original eigentlich nicht in die jeweilige Szene passen würden. Der Vorteil von eigenen Geräuschen ist nämlich nicht von der Hand zu weisen: auf diese Weise hat sie niemand anderer, und es kommt nicht zu dem klassischen Phänomen, daß ich neulich, bezogen auf verwendete Synthesizer-Presets, erwähnt hatte.

Vorteile einer Ein-Mann-Bearbeitung

18. November 2013 · 08:00
von Jan

Ich habe mir angewöhnt, daß man die Dinge von der positiven Seite aus betrachten sollte, um nicht zu verzweifeln, also:

Angenehm bei der Audiobearbeitung einer Szene ist, daß man die Musik viel besser integrieren kann, wenn man gleichzeitg Cutter und Komponist ist. Zum einen minimiert das Diskussionsaufwand, zum anderen kommt man schneller zu einer Lösung. Wenn ich eine fertige Audiodatei mit der produzierten Musik hätte, und nichts anderes, wären die Integrationsmöglichkeiten in eine Szene durchaus begrenzt, weil es ab und zu erforderlich ist, das Timing der Musik an das Timing der Szene anzupassen. Das sind Dinge die eventuell erst auffallen, wenn man die Musik einpassen will. Ein weiterer Aspekt, oder ein weiteres Problem, ist die Abmischung fertiger Musik durch den Musiker. Wenn seine Musik schon durch ein Mastering gelaufen ist, ist die akustische Integration schwieriger. Wenn ein Musiker also Audiodateien bereitstellt, dürfen diese nicht gemastert sein, weil das bei der späteren Abmischung mit den Hörspielszenen zusammen passiert.

In Folge 4 gibt es mehr Überlappungen mit der Handlung, also ist die Musik häufiger innerhalb einer Szene zu hören. Daher arrangiere ich in diesem Fall die Musik zur Handlung, nachdem die Szene komplett ist. Das habe ich bei den früheren Folgen zwar auch gemacht, aber die Musikstücke wurden, unabhängig vom Timing, nur zwischen die Szenen geschoben. Im Gegensatz dazu höre ich nun die Szenen während des Kompositionsschritts – wenn man das so nennen kann. Natürlich sind aufgrund des untermalenden Charakters die Arrangements nicht so komplex wie beispielsweise für Folge 3, daher ist es leichter, diese nachträglich zu ändern.

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VSTi und die Suche nach dem Sound

16. November 2013 · 08:00
von Jan

VSTi ist die digitale Welt der Synthesizer. Dahinter verbirgt sich Virtual Studio Technology Instrument. Die Idee dazu hatte Steinberg damals, eigentlich schon ziemlich schick, weil die Bedienelemente nicht mehr so schnöde nach Windows aussahen sondern schickere Grafik hatten. Virtual, weil das Instrument (Synthesizer) im Computer als Programm abläuft. Steinberg brauchte dafür natürlich auch ein passendes Host-Programm und brachte eine neue Version von Cubase heraus. (VST ist zum Glück nicht mehr nur Steinberg-Produkten vorbehalten.)

Ich erzähle das, weil man diese VST-Plugins sehr gut benutzen kann, um damit direkt im Computer Musik zu machen. Es gibt davon im Internet, frei verfügbar, wahre Massen dieser Module. Und wenn man möchte, daß die eigene Musik gut klingt, muß man erstmal nach dem passenden Sound, oder Preset, suchen – wenigstens das haben diese Module mit den Hardware-Pendants von damals gemein. Die Suche nach einem solchen Sound hängt leider nicht nur vom Programmspeicherplatz des VST-Moduls ab, sondern auch vom benutzten Modul selbst. Wenn es also hundert Module gibt, die ihrerseits vielleicht hundert Presets enthalten, gibt es eine Menge durchzuhören, bis man das Passende gefunden hat. (In Wahrheit haben einige Module sogar tausende Presets.)

Für die Musik von Folge 1, die synthetisch klingen sollte, habe ich eine Recherche durchgeführt, welche VST-Module überhaupt gut klingen, dann habe ich mir deren Presets vorgenommen. Nicht selten aber habe ich die Klänge dann selbst gebaut, weil eigentlich niemals das Richtige zu finden war, höchstens etwas, das so ähnlich klang. Im Übrigen war es ja schon früher verpönt, die Synthesizer mit den vorgefertigten Sounds einzusetzen, was allerdings in den 1980ern bekannte Musiker nicht davon abgehalten hatte. Das führte dann dazu, daß man erkennen konnte, welche Produkte der jeweilige Musiker gerade verwendet hatte, und so weiter, und so weiter…

Da mir dieser Rechercheaufwand einfach zu hoch war, denn ich hatte ja wieder die Erkenntnisse, trotz Notizen, vergessen, war ich dazu übergegangen, mir den Sound im Kopf vorzustellen und zu analysieren, damit ich dann sagen konnte: „Ich möchte einen leicht angezerrten Sägezahn mit einer Pulsweite von 50 Prozent und einem zeitvarianten Filter.“ Dann erst habe ich mir ein VST-Modul herausgesucht, das in der Lage war, „meine“ Parameter umzusetzen. Es ist immer befriedigender, einen Klang selbst zu programmieren als stundenlang nach einem Presets zu suchen – sagt der Programmierer.

Altersfreigabe

14. November 2013 · 08:00
von Jan

Neulich sagte meine vierjährige Tochter zu mir, sie wollte Folge 3 unseres Hörspiels nicht hören, weil sie ein bißchen Angst hat. Ich weiß nicht, ob es an der Musik liegt, das wäre dann ja noch in Ordnung, oder an etwas anderem. Wenn es an der Handlung oder der sonstigen Präsentation lag, müssen wir wohl über ein Mindestalter der Konsumenten nachdenken. Eigentlich hat Olli ja schon durch seine Synonyme für Kraftwörter die Dialoge im Vorwege entschärft, aber wenn’s die Kleinen trotzdem gruselt, ist das ja auch nicht so schön. Vielleicht hat George Lucas aus den gleichen Gründen niedliche Sachen in Star Wars integriert. Sowas machen wir aber nicht. Eigentlich ist die Handlung was für Erwachsene, da darf es auch gerne etwas düster sein.

Überarbeitung?

12. November 2013 · 08:00
von Jan

Wir müssen davon ausgehen, daß wir wohl nächstes Jahr Folge 6 abschließen können. Aber was kommt danach? Oj und ich hatten überlegt, ob es sinnvoll wäre, wegen der langen Projektlaufzeit noch einmal die ersten Folgen auf Qualität hin zu überprüfen und vielleicht zu überarbeiten. Meine letzte Meinung dazu war, daß es eigentlich ganz schön wäre, aus dokumentarischen Gründen die Qualität der Folgen so zu belassen. Aber vielleicht kann ich mir vorstellen, Kleinigkeiten zu ergänzen, die ich damals möglicherweise vergessen hatte. So gravierend sind die Qualitätsunterschiede zwischen den Folgen auch nicht.

Wenn wir mit der Arbeit für die sechs Folgen fertig sind, wird es ohnhin noch die ab und zu erwähnte Diskussionsrunde geben, in der entschieden werden soll, was nun aus unserer Sicht noch getan werden muß, bevor wir die ganze Sache dann endlich veröffentlichen. Und wenn eine Folge veröffentlicht ist, möchte ich auf keinen Fall noch eine besondere Edition davon haben, weil ich es schade finde, einer Geschichte das ursprüngliche Gesicht zu entziehen, indem ich eine zweite Version danebenstelle. Dann würde ich die Energie eher in ein neues Projekt stecken.

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Stand der Technik

10. November 2013 · 08:00
von Jan

Unser Hörspielprojekt ist inzwischen so alt, daß ich meine Arbeitsumgebung auf mindestens drei verschiedenen Rechnern installieren mußte, weil die alten ausrangiert wurden. Nur durch vernünftige Installationsdokumentationen und Datensicherungen war es möglich, alles auf dem neuen Gerät wieder so zu installieren, daß ich weiterarbeiten konnte. Allerdings habe ich zur Sicherheit noch eine unveränderte Installation auf meinem Heimrechner, an dem ich aus Performancegründen die aufwändigeren Projekte bearbeite. Gründe der Computerleistung treten allerdings immer mehr in den Hintergrund, da eine CPU mit vier Kernen inzwischen fast zum Standard gehört. Mehr braucht man auch nicht; wichtiger ist eigentlich eine schnelle Festplatte und viel Arbeitsspeicher.

Zu Beginn meines Studiums war es noch nicht möglich, so zu arbeiten wie wir heute mit Audiotechnik umgehen. Analoge Technik, also Bandgeräte und Mischpulte, war so teuer, daß sich ein Privatmensch so etwas kaum leisten konnte. Inzwischen ist die Technik, die damals so teuer war, komplett auf Computer verlagerbar, die mittlerweile bezahlbar ist. Das führte dazu, daß viel mehr kreative Personen als bisher die Gelegenheit haben, sich zu verwirklichen und ihre Schöpfungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Natürlich ist die Qualität oft fragwürdig, aber man kann sich wenigstens ausprobieren.

Selbstverständlich muß man heute auch noch Geld ausgeben, und zwar für die Software, die auf den Computern für die Simulation der damals analogen Geräte sorgt. Da wird dann teilweise auch ordentlich hingelangt, nur um den Kunden zu suggerieren, daß sie dadurch in der Lage sind, professionelle Resultate zu erzeugen. Es hat sich hier also im Vergleich zu damals nicht viel geändert – aber wenigstens ein Detail: während damals die Herstellung analoger Audiotechnik immer Geld gekostet hatte, nämlich mindestens die Bauteile, kann man so etwas heute programmieren, was erstmal nicht direkt Geld kostet. Und zum Glück gibt es auf der Welt einen Haufen Idealisten, oder auch Amateure, die für ihre Produkte (noch) kein (oder wenig) Geld verlangen und sie einer breiten Masse zugänglich machen. Also auch in diesem Sektor ist man nicht mehr so sehr auf teure Anbieter angewiesen, um sich, wie gesagt, auszuprobieren.

Aber komplett kann man leider nicht auf analoge Audiotechnik verzichten, da Geräusche und Sprache nun mal analog sind. Mikrofone muß man also immer einplanen, bei deren Auswahl man zwar schon auf das Geld achten kann, aber programmieren geht hier eben nicht.

Was ich in den letzten Jahren jedenfalls gelernt habe, ist, daß man Geld sparen kann, wenn man Erfindungsreichtum besitzt. Das bedeutet auch, daß man mehr Zeit investieren muß, um möglicherweise zum gleichen Ergebnis zu kommen. Bei aller Technik möchte ich gern verstehen können, was ich da genau mache, und nicht so abhängig sein, von einem ganz bestimmten Softwaremodul, dessen Arbeitsweise ich nicht nachvollziehen kann. Daher investiere ich gern etwas mehr Zeit, anstatt daß ich wahllos Geld ausgebe, weil ich noch nicht genau weiß, was ich eigentlich brauche.

Musik zu Folge 4

8. November 2013 · 08:00
von Jan

Ich denke, ich habe nun die Grundstimmung für die Musik von Folge 4 gefunden. Da ich doch schon vor meinem Urlaub damit begonnen habe, Stücke einzusetzen, wird wohl für den Dezember nicht mehr viel übrigbleiben (bestimmt aber noch der Endtrack, der ja meistens mehr Arbeit macht als die Zwischenstücke). Allerdings habe ich noch einige Hintergrundelemente „nachzureichen“, für die ich aber noch Sprachaufnahmen vorbereiten muß.

Wenn ich mir Oj‘s Notizen zum Charakter der geplanten Musik durchlese, bin ich meist etwas verzweifelt, weil ich zum einen versuche, zu verstehen, was er damit meint, und zum anderen versuche ich, Musik zu finden, die seiner Beschreibung entsprechen könnte. Am Anfang, also für Folge 1, hatten wir noch mit musikalischen Temp-Tracks gearbeitet, weil ja genau das Fassen in beschreibende Worte für Musik ziemlich schwierig ist. Es hat sich herausgestellt, daß das Einsetzen der temporären Musik zu viel zusätzliche Arbeit bedeutet, weil ich mich nie so streng an die verwendete Temp-Musik halten konnte. Daher habe ich mich für die weiteren Folgen nur an den Notizen aus dem Skript orientiert.

Beim Charakter für die Musik für Folge 4 halte ich mich an meinen Masterplan, in dem ich für jede Folge schon festgehalten habe, wie die Musik in der jeweiligen Folge klingen könnte/sollte. Während in Folge 3 die Musik sehr viele Melodien enthielt und deutlich abgetrennt von den Szenen war, wird es diesmal etwas subtiler. Ich experimentiere wieder viel mit Klängen und unkonventionellen „Instrumenten“, das gibt der Folge hoffentlich einen etwas fremdartigen Touch.

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Akustisches: Berauschend

6. November 2013 · 08:00
von Jan

Irgendwie ist das mit dem Rauschen in Aufnahmen schon eigenartig. Eigentlich will man es weghaben, weil es nicht Bestandteil dessen ist, was man aufgenommen hat, da es durch die verwendete Elektronik erst in die Aufnahme gelangt. Wenn es aber fehlt, und es ist nichts anderes zu hören, fragen wir uns, ob vielleicht die Aufnahme nicht in Ordnung ist. In der Anfangszeit der CD enstand daher auch eine gewisse Orientierungslosigkeit bei den Konsumenten, weil sie nicht wußten, wie laut sie gerade ihren Verstärker aufgedreht hatten. Vielleicht ist uns das Rauschen so vertraut, weil wir es eigentlich immer um uns haben, unser ganzes Leben lang. Selbst, wenn wir nichts anderes hören, hören wir das Blut zirkulieren. Ich bin in einer Zeit mit Kassetten und schlechter Wiedergabequalität aufgewachsen, daher bin ich ziemlich stark geprägt durch das klassische Kassettenrauschen, das schon fast wie ein mittlerer Wind klang. Und dieses Rauschen wollte ich immer weghaben.

Bei den Sprachaufnahmen, die wir durchgeführt hatten, haben wir relativ gute Mikrofone verwendet, aber trotzdem war ein Arbeitsschritt in der Postproduktion das Entrauschen. Hier ist das Entrauschen sehr sinnvoll, weil unter Umständen viele Audiospuren gleichzeitig abgespielt werden müssen, so daß auch geringes Rauschen in der Addition ohrenbetäubend werden kann. Um das zu minimieren kann man aber auch die Stille zwischen den gesprochenen Wörtern wegschneiden, was aber sehr viel Aufwand bedeuten kann, wenn jemand eher gedehnt spricht. In diesem Fall empfiehlt sich also eine Gate-Schaltung, die dafür sorgt, daß nur Signale ab einer festlegbaren Mindestlautstärke durchgelassen werden. Der Rest wird entweder komplett unterdrückt, oder abgeschwächt, falls das besser klingt.

Und um nun noch einmal auf die eingangs erwähnte Orientierungslosigkeit zurückzukommen: um wieder mehr Irregularität in die Hörwahrnehmung zu bekommen, kann man nachträglich künstliches Rauschen hinzufügen. Meistens ist in den Hintergrundgeräuschen aber genug Rauschen enthalten, daß das nicht notwendig wird. Aber der Punkt ist, daß das Rauschen, im richtigen Maße eingesetzt, wichtig für unsere Hörwahrnehmung und Orientierung ist.