Musikalisches: Suche nach dem Motiv

4. November 2013 · 08:00
von Jan

Als es noch keine Smartphones gab, bin ich immer mit einem Zettel und Stift in meiner Hemdtasche herumgelaufen, damit ich mir unterwegs Ideen für Motive, also einprägsame Melodien, notieren konnte. Am Ende des Tages hatte ich dann meist Buchstabenketten mit Notennamen und -werten auf meinem Zettel. Daneben standen dann Stichwörter, wie „dunkel“ oder „fröhlich“, oder was auch immer sonst. Am Keyboard oder Computer habe ich dann versucht, das weiter auszuarbeiten. Für das Hörspiel habe ich auch so eine Motivsuche durchgeführt, allerdings habe ich in mein Handy gesungen, was schneller geht als im Kopf zu transskribieren.

Um passende Musik für eine Szene zu finden, versuche ich, mir die Situation vorzustellen, aber meistens spielt die gesamte Handlung und die momentane Releation der Charaktere mit hinein. Wenn man gehässig wäre, könnte man an dieser Stelle den „Anhalter“ zitieren: „… aber die Maschine produzierte immer nur ein Getränk, das ein bißchen, aber nicht ganz, anders als Tee schmeckte…“. Meistens hört man meiner Musik tatsächlich nicht an, welche oder wieviele Gedanken ich mir vor ihrer Entstehung gemacht habe, aber ich brauche dieses „Reinfühlen“ als Startpunkt. Irgendwo muß man eben anfangen…

Ein Problem beim Musikmachen ist mein Gedächtnis, das nämlich einfach nicht gut genug ist, um sich die ganzen Ideen zu merken, die ich dann so entwickle, wenn ich zum Beispiel in der Bahn unterwegs bin. In meinem Kopf ist die Idee oft schon fertig, und ich kann sie auch bereits im Kopf hören, aber reproduzierbar ist sie so meistens nicht. Das fertige Produkt klingt dann schon ähnlich, was ich aber ziemlich häufig als Zweitwahl empfinde. Aber mit dem Kompromiß muß ich wohl leben, weil ich nicht ständig alles aufnehmen möchte, was ich improvisiere. Das liegt wohl daran, daß ich so ungern Dinge wegwerfe.

Für Folge 4, zu der ich nächsten Monat dann noch die Musik hinzufüge, werde ich auch wieder mit Einschätzungen zu den jeweiligen Szenen, in denen Musik verwendet werden soll, beginnen. Wie oben schon erwähnt, sind das einige Aspekte, die auch die Motivation der Charaktere, das Gesamtbild der Folge oder Gefühlszustände umfassen. Im Grunde schreibe ich alles auf, was mir spontan, oder weniger spontan, zu den Szenen einfällt. Wenn ich nachfühlen kann, was die Charaktere fühlen (oder der Zuhörer empfinden soll), bildet sich relativ schnell etwas, das ich in einer solchen Situation hören möchte. Das Skript nehme ich auf jeden Fall, in elektronischer Form, heute mit auf die Reise, so daß ich auch in meiner computerlosen Phase noch arbeitsfähig bin.

Making Off?

2. November 2013 · 08:00
von Jan

Vor etwa zweieinhalb Wochen habe ich mal testweise, und weil ich eigentlich was Neues für unser, für irgendwann mal geplantes, Making-Of produzieren wollte, ein Screen Recording von meiner Projektarbeit in Reaper aufgenommen. Als ich mir das hinterher angesehen und auch die Tonspur dazu gehört hatte, kam ich auf den Gedanken, daß möglicherweise nur ich so etwas interessant finden könnte, weil ich das technische Interesse dafür habe. Auch wenn die Postproduktion den größten Teil des Projekts ausmacht, sind die Dinge interessanter anzusehen, wo viele lustige Menschen lustige Dinge machen, also Sprachaufnahmen. Und darüberhinaus wollen ja diejenigen, die sich überhaupt noch an unser Hörspielprojekt erinnern können, daß wir mal fertigwerden. Wir wollen das natürlich auch.

Jedenfalls bin ich im Moment vom Gedanken eines Making-Of wieder relativ weit weg, vielleicht auch, weil es noch so viel anderes zu tun gibt. Daß ich überhaupt darüber nachgedacht habe, läßt sich wohl damit erklären, daß ich so kurz vor unserer Familienreise nicht noch mit der Musik für Folge 4 beginnen wollte und deshalb mehr gedanklichen Freiraum hatte. Das ist anscheinend nicht so gut für mich.