Stand der Technik

10. November 2013 · 08:00
von Jan

Unser Hörspielprojekt ist inzwischen so alt, daß ich meine Arbeitsumgebung auf mindestens drei verschiedenen Rechnern installieren mußte, weil die alten ausrangiert wurden. Nur durch vernünftige Installationsdokumentationen und Datensicherungen war es möglich, alles auf dem neuen Gerät wieder so zu installieren, daß ich weiterarbeiten konnte. Allerdings habe ich zur Sicherheit noch eine unveränderte Installation auf meinem Heimrechner, an dem ich aus Performancegründen die aufwändigeren Projekte bearbeite. Gründe der Computerleistung treten allerdings immer mehr in den Hintergrund, da eine CPU mit vier Kernen inzwischen fast zum Standard gehört. Mehr braucht man auch nicht; wichtiger ist eigentlich eine schnelle Festplatte und viel Arbeitsspeicher.

Zu Beginn meines Studiums war es noch nicht möglich, so zu arbeiten wie wir heute mit Audiotechnik umgehen. Analoge Technik, also Bandgeräte und Mischpulte, war so teuer, daß sich ein Privatmensch so etwas kaum leisten konnte. Inzwischen ist die Technik, die damals so teuer war, komplett auf Computer verlagerbar, die mittlerweile bezahlbar ist. Das führte dazu, daß viel mehr kreative Personen als bisher die Gelegenheit haben, sich zu verwirklichen und ihre Schöpfungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Natürlich ist die Qualität oft fragwürdig, aber man kann sich wenigstens ausprobieren.

Selbstverständlich muß man heute auch noch Geld ausgeben, und zwar für die Software, die auf den Computern für die Simulation der damals analogen Geräte sorgt. Da wird dann teilweise auch ordentlich hingelangt, nur um den Kunden zu suggerieren, daß sie dadurch in der Lage sind, professionelle Resultate zu erzeugen. Es hat sich hier also im Vergleich zu damals nicht viel geändert – aber wenigstens ein Detail: während damals die Herstellung analoger Audiotechnik immer Geld gekostet hatte, nämlich mindestens die Bauteile, kann man so etwas heute programmieren, was erstmal nicht direkt Geld kostet. Und zum Glück gibt es auf der Welt einen Haufen Idealisten, oder auch Amateure, die für ihre Produkte (noch) kein (oder wenig) Geld verlangen und sie einer breiten Masse zugänglich machen. Also auch in diesem Sektor ist man nicht mehr so sehr auf teure Anbieter angewiesen, um sich, wie gesagt, auszuprobieren.

Aber komplett kann man leider nicht auf analoge Audiotechnik verzichten, da Geräusche und Sprache nun mal analog sind. Mikrofone muß man also immer einplanen, bei deren Auswahl man zwar schon auf das Geld achten kann, aber programmieren geht hier eben nicht.

Was ich in den letzten Jahren jedenfalls gelernt habe, ist, daß man Geld sparen kann, wenn man Erfindungsreichtum besitzt. Das bedeutet auch, daß man mehr Zeit investieren muß, um möglicherweise zum gleichen Ergebnis zu kommen. Bei aller Technik möchte ich gern verstehen können, was ich da genau mache, und nicht so abhängig sein, von einem ganz bestimmten Softwaremodul, dessen Arbeitsweise ich nicht nachvollziehen kann. Daher investiere ich gern etwas mehr Zeit, anstatt daß ich wahllos Geld ausgebe, weil ich noch nicht genau weiß, was ich eigentlich brauche.

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