7. September 2010 · 17:18
Ein Projekt neigt sich dem Ende zu, und ich habe endlich wieder Zeit für ein Projekt, das noch lange nicht beendet ist. Damit meine ich nicht, daß meine Tochter inzwischen ausgezogen ist, obwohl es mir so vorkommt, als wäre das eine Jahr, das sie jetzt fast alt ist, wie ein Tag vergangen. Nein, mein Job hatte verhindert, daß ich im letzten Monat eigentlich nichts anderes tun konnte als essen, schlafen und mir leichten Groll meiner Frau zuziehen.
Schön, und was hat das jetzt mit der Überschrift zu tun? Genau! Nichts! Nachdem ich bisher jede Minute meiner Zeit in die Vorbereitung der bewegten Geräusche, und keine Minute in einen Blogeintrag, gesteckt habe, kann ich inzwischen nicht umhin, über den Aufwand, den ich dafür betrieben habe, zu schmunzeln. Da kommen wir zur Recherche.
Ich war zu Anfang noch der Meinung, daß die Simulation von Geräuschen an einer bestimmten Stelle im Raum durch die Ermittlung des einzig wahren Algorithmus – eben ordentlich recherchiert – und dessen Umsetzung zu lösen sei. Ich war bemüht, physikalische Eigenschaften des Schalls möglichst originalgetreu abzubilden. Diverse Spaziergänge, mit diversen Diagrammen im Kopf, hatten das Blut in meinem Gehirn stärker als sonst zirkulieren lassen. Nachforschungen im Internet brachten mich zwar weiter aber eben auch wieder auf neue Aspekte und Fragen. Trotzdem gab es irgendwann einen Plan, wie ich die ganze Sache umsetzen wollte – darüber habe ich bereits geschrieben. Ich hatte nur leider keine Ahnung davon, wie man in Nuendo Plugins programmiert, oder wie man modellierte 3D-Szenen aus Blender exportiert.
Das Internet half auch hier weiter, auch wenn die wirklich brennenden Fragen fast nie auf Anhieb beantwortet wurden, da war ich leider auf sehr viel Ausprobieren angewiesen. Ich habe sicherlich mehrere Monate Nettozeit damit zugebracht, sämtliche Vorbereitungen abzuschließen, bevor ich überhaupt eine Programmzeile getippt habe. Ich habe gelernt, daß es manchmal hilft, so lange an die Lösung eines Problems zu glauben, bis man sie endlich gefunden hat. Manchmal ist es auch besser, nach Alternativen zu suchen. Jedenfalls gab es das Nuendo-Plugin mit dem Schieberegler, der nichts bewirkte, noch ziemlich lange, bevor endlich etwas Hörbares aus den Lautsprechern, oder Kopfhörern, kam.
Ich habe gelernt, daß die Mathematik in der Schule doch sinnvoll sein kann, und daß ich die Bildung von Matrizen lieber den Mathematikern überlasse, mir reicht es, sie multiplizieren zu können. Da wird einem die schöne und romantische Welt der Klänge auf so abrupte Weise zerstört, wenn man einem Computer erklären muß, wie ein Geräusch an einer ganz bestimmten Stelle im Raum erklingen muß – Entfernung, Verzögerung und Richtung und so weiter. Aber ich gebe gerne zu, daß ich echt stolz war, als mein Plugin endlich lebte und ich den von Don erwähnten Gitarrensound mit Dopplereffekt an mir vorbeiziehen lassen konnte. Und dann kamen die Features und die Konfigurierbarkeit, und ich fühlte mich wieder am Anfang stehend…
Nein nein, mein Selbstvertrauen war gewachsen, denn ich hatte ja schon eine große Hürde bewältigt, also habe ich „schnell“ eine Benutzeroberfläche für mein Plugin in Blender gerendert und die Bedienelemente mit passenden Funktionen verbunden, und da war ich auch schon fertig…fast. Niemals darf man außer Acht lassen, daß jedes Programm auch Bugs enthält, und das hielt mich ebenfalls einige Wochen lang beschäftigt. Inzwischen stürzt Nuendo bei der Nutzung meines Emitterhandlers immer seltener ab. Trotzdem frage ich mich ab und zu, ob ich wirklich pro Soundkanal einen Verzögerungpuffer von 20 Kilometern (etwa 1 Minute) bei 96kHz benötige. Immerhin hat die erste Szene im Hörspiel ungefähr 40 verschiedene Emittoren und somit einen eigenen Tonkanal in Nuendo.
Bis zu unserem nächsten Chat-Termin habe ich jetzt noch wahnsinnig viel Zeit (einige Tage), um die von Don zur Bewegung gebrachten Szenen in Nuendo-Projekte einzubetten und mal endlich etwas anderes als die doch inzwischen sehr in die Tage (oder Jahre) gekommene Szene 1.1 hörbar zu machen. Aber ich bin höher motiviert denn je, weil ich das Gefühl habe, daß so langsam Dinge ins Rollen geraten, ohne daß man ständig anschieben muß.
8. September 2009 · 17:21
One step forward, one step back.
Christian, der eigentlich die Musik für das Hörspiel machen wollte, hat leider auf absehbare Zeit keine Möglichkeit mehr, sich um die Musik zu kümmern, gerade weil sie noch nicht jetzt wirklich sinnvoll aufgenommen werden kann.
Falls jemand Interesse hat, das zu übernehmen, freuen wir uns über entsprechende E-Mails.
25. März 2009 · 17:00
Wie schon mal erzählt, habe ich im Februar 2008 das Drehbuch erstmals fertiggestellt und seit Anfang Januar 2009 eine fertige Version — “shooting draft” würde man das beim Film nennen, also hier die Version, die als Grundlage der Aufnahmen dient. Von dieser Version gibt es bisher noch vier Revisionen mit kleineren Änderungen, insgesamt vielleicht zwanzig ersetzte Seiten, meist nur wegen eines oder zweier Worte.
Aber je mehr ich Abstand zu dem Drehbuch gewinne — also zum Storyaufbau — und je näher ich der Idee komme, dass man sich das tatsächlich mal anhören wird, desto mehr fällt mir auf, dass die letzten beiden Folgen strukturell nicht optimal sind. Konkret gibt es da einen Konflikt in Folge 6, dessen Auflösung sich in der jetzigen Version direkt anschließt, was irgendwie nicht wie eine ideale Ausnutzung des Spannungsbogens anfühlt. Außerdem ist der “Showdown” in Folge 6 — auch das habe ich schon mal erwähnt — eigentlich etwas schmalbrüstig, d.h. es geht alles etwas zu schnell und gewissermaßen sogar zu einfach. Und nicht zuletzt ist Folge 5 von zwei sehr langen Gesprächen geprägt, die mich schon lange innerlich immer an “die Laberfolge” denken lassen.
Die Lösung ist ganz offensichtlich: Ich straffe die Gespräche in Folge 5, wodurch der Konflikt ans Ende dieser Folge rutscht; dadurch gewinne ich dann außerdem “Platz” in Folge 6 für einen längeren Showdown. Das Tolle dabei ist, dass wir noch keine der Szenen, die ich dazu anfassen muss, aufgenommen haben. Lediglich zwei kleine Verbindungsszenen von je einer halben Seite sind bereits aufgenommen und wären dann überflüssig; das kann ich allerdings verkraften, denn beim Aufnehmen merkte ich, wie schlecht diese Szenen eigentlich waren. (Gerade neulich morgen beim Raussuchen der Seitenzahlen der letzten Aufnahmesessions für den Eintrag von Montag fand ich eine Notiz “I shame me so for this scene” am Rand des Notizzettels.)
Die Gespräche (zusammen so um die 15 Seiten) habe ich schon gekürzt, allerdings nicht ganz um die eigentlich benötigte Seitenzahl, so dass Folge 5 jetzt ein bisschen länger ist als die vorigen Folgen. Und da die letzte Folge natürlich nicht kürzer sein sollte als die davor, gibt es jetzt ca. 8 Seiten Showdown zu schreiben. Ich hoffe, die Eisdeerns haben diese Woche noch einen Platz für mich.
Spannend dabei ist, dass wir am Sonntag eines der langen Gespräche aufnehmen wollen und ich mich bis dahin entschieden haben muss, ob ich glaube, dass das mit meiner Überarbeitung klappt, oder ob ich doch zum weniger optimalen Shooting Draft zurückkehre.
9. Februar 2009 · 18:43
Es gibt den relativ unklaren Plan, die Musik über den Verlauf der sechs Folgen im Einklang mit der Geschichte stilistisch fortschreiten zu lassen. Da meine Anforderungen an die Musik sehr zu Christians Leidwesen bisher vor allem in Richtung “Mach mal was, dann sag ich dir, ob’s mir gefällt” gingen, bin ich gerade dabe, meine Gedanken zur Musik irgendwie zu strukturieren, wie ich neulich ja schon mal schrieb.
Und ich bin zwar noch bei weitem nicht fertig, aber in Ermangelung irgendwelcher formellen Ahnung von Musik — ich weiß, dass “Moll” traurig klingt, aber wüsste nicht, woran ich es erkennen sollte; das Niveau in etwa — schaue ich momentan einfach mal, wie ich das Problem erfassen kann. Deshalb habe ich jetzt eine graphische Übersicht über die sechs Folgen mit der zeitlichen Position der einzelnen Musikstücke und seit vorhin, sehr zu meinem eigenen Entsetzen, eine zehnstufige Skala des Stilverlaufs. Ich musste selbst etwas den Kopf darüber schütteln, aber ich fürchte, so funktioniert mein Hirn einfach.
19. Januar 2009 · 11:42
Die Rolle des Nachrichtensprechers in Folge 1 wird aus terminlichen Gründen nicht von Dirk Jannsen gesprochen (der uns aber nach heutigem Stand trotzdem in einer späteren Folge noch als Nachrichtensprecher begegnen wird).
Wir organisieren Ersatz (und sind nach wie vor für Bewerbungen offen).
10. Januar 2009 · 20:15
Trotz einer tragischen Papierschnittverletzung gestern beim Kopieren, die zu einigen leicht blutverschmierten Drehbuchseiten führte und der Absage eines Sprechers und zweier “Beisitzer” heute mittag aus akuten Krankheitsgründen waren die beiden Hauptsprecher bei mir und wir konnten im kleinen Kreise in meinem Wohnzimmer unseren Read-through abhalten.
Das war, wie erwartet, ein hochinteressantes Ereignis und sehr erfolgreich: Wir haben in ziemlich genau fünf Stunden alle sechs Folgen durchgesprochen, einiges geklärt, eine noch dringend zu überarbeitende Passage gefunden, und ich bin jetzt voller Vorfreude auf die eigentlichen Aufnahmen, die — das kann ich jetzt enthüllen — am kommenden Samstag beginnen werden.
Das wird auch nicht von den Terminabsprachen getrübt, die sich wie schon befürchtet im Verlauf der Woche als sehr zeitraubend herausgestellt haben. Aber auch das wird noch; die Gastsprecher für Folge 1 sind fast alle bereits eingeladen, und die Termine mit den anderen werden sich auch zwischen Ende Januar und März finden lassen.
8. Januar 2009 · 20:30
Ich habe jetzt die zweite Fassung des Drehbuchs fertig, drucke sie gerade aus und vervielfältige sie morgen im Copyshop, was sich jetzt gerade beim Schreiben wahnsinnig professionell anhört und (nach drei Textmarkern und einer Packung Post-It-Pagemarker) die erste echte Ausgabe für das Hörspiel darstellen wird. Diese Fassung ist nicht nur eine Überarbeitung nach relativ langer Pause — was ja immer gut dafür ist, offensichtliche, blöde Fehler zu finden — sondern enthält auch schon Erfahrungen aus dem Vorsprechen — z.B. Änderungen am teilweise unerträglichen Geschwafel eines Charakters, den ich mal “die große Erklärerin” nennen möchte — und meinem davon inspirierten Einmal-komplett-laut-Vorlesen, sowie auch schon Input der beiden Hauptdarsteller.
Zu meiner großen Freude bedeutet dies dann auch endlich das Ende der “anderthalbten Fassung” des Drehbuchs, auf die ich das eine oder andere Mal während der Probeaufnahmen angesprochen wurde, obwohl das alles ganz logisch war: Die erste Fassung war die Version, von der ich das erste Mal glaubte, sie anderen Leuten zum Lesen geben zu können. Die zweite Fassung sollte eigentlich die Version sein, in der alle zwischen Februar und dem Vorsprech-Beginn im Oktober gemachten Anmerkungen umgesetzt waren — zu der bin ich bloß leider nie gekommen. Stattdessen habe ich nur Folgen 1 und 2 überarbeitet (weil Folge 1 und Teile von Folge 2 auf jeden Fall im ersten Aufnahmeblock aufgenommen werden sollten). Da Seite 53 bis 154 mit der ersten Fassung identisch waren, habe ich die Version, die ich für die Vorsprechen dreimal ausgedruckt habe, eben “anderthalbte Fassung” genannt.
Und weil ich ein Exemplar der ersten Fassung bereits ausgedruckt hatte und nur die ersten 52 Seiten ersetzt habe, die allerdings durch die Änderungen auf 53 Seiten erweitert worden waren, gab es Seite 53 in einem Exemplar doppelt und bei den beiden anderen stimmten die Seitenzahlen >52 nicht überein, was zu hunderttausend lustigen Fehlversuchen beim Finden irgendwelcher Textstellen führte. Sagte ich schon, dass ich mich darüber freue, eine neue Version zu haben?
Viel schöner ist aber der Grund für meinen morgigen Copyshop-Besuch: der für Samstag angesetzte, gemeinschaftliche Table read-through, denn darauf freue ich mich sehr, seit ich das erste Mal in irgendeinem Making of mit dem Konzept in Berührung kam. Als ob es nicht schon faszinierend genug wäre, dass Leute Dialoge spielen, die ich geschrieben habe …
2. Januar 2009 · 11:25
Willkommen im neuen Jahr. Ich würde gern weiterscherzen, “Wir haben da schon mal was vorbereitet”, aber das würde nicht so stimmen, wie man sich das vermutlich wünschen würde.
Deshalb nur ein kleiner Zustandsbericht: Termine trudeln weiterhin ein, ich überarbeite das Drehbuch (vor allem Feinschliff der Dialoge; an der Handlung tut sich nichts merkliches mehr) und ab dem kommenden Wochenende gehen dann schon mal die Vorproben mit den Hauptpersonen los.
19. Dezember 2008 · 14:02
Wir haben nun endlich unsere Sprecher für Folge 1 zusammengestellt und arbeiten emsig daran, Probe- und Aufnahmetermine zu vereinbaren. Die Sprachaufnahmen sind dabei logischerweise der nächste große Schritt in Richtung einer fertigen Folge.
Ich möchte aufgrund der Erfahrungen der letzten Wochen nicht den Fehler machen und hier Termine versprechen, bevor sie abgemacht sind — nur weil sie sich “realistisch anfühlen” –, deshalb hier einfach nur die Sprecher für Folge 1 (in order of appearance):
| Kimiko “Kim” Taken?chi, Navigatorin der U.N.S. Dykstra |
Meike Beckmann |
| Huub Hartzuiker, Techniker der U.N.S. Dykstra |
Björn Friedrichsen |
| Eduardo de Souza, Captain der U.N.S. Dykstra |
Karsten Frohwein |
| Mark Kaplan, Frachtoffizier der U.N.S. Dykstra |
Victor Viqueira Rodriguez |
Zbigniew “Ieff” Lubinski, Sicherheitsingenieur des KRF-Konzerns
|
Dennis Blesinger |
| Nachrichtensprecher |
Dirk Jannsen (vgl. hier) |
| Computerstimme, weiblich |
Daniela Kuhrts |
| Computerstimme, männlich |
Jan Mahn |
| Søren Nordahl, Kleinkrimineller |
Ulrich Neu |
Derzeit ist von den Sprechern nur Jans Name mit einer Beschreibungsseite verbunden. Das wird sich in Zukunft ändern, allerdings nicht hier im Beitrag, sondern rechts in der Sidebar in den “Credits”. (Wann und wer und wie liegt aber an der Geschwindigkeit — und im Ermessen — der jeweiligen Sprecher.)
(Für alle, die mitsprechen wollen und sich noch nicht beworben haben, ist es noch nicht zu spät; bitte einfach hier für eine [kleine] Rolle bewerben. Auch Helfer “hinter den ‘Kulissen’” sind herzlich willkommen.)
Nachtrag, 26.12.: Beim Ermitteln eines (im Drehbuch ungenannten) Nachnamens für “Sören” aus Einheitlichkeitsgründen fiel mir auf, dass es sich bei der deutschen Schreibweise wohl um eine Transkription aus dem Schwedischen handelt, weshalb der Charakter jetzt “Søren (Nordahl)” heißt.
1. Dezember 2008 · 19:44
Ich hatte zuletzt behauptet, die Besetzung werde sich für einzelne noch “bis nach dem kommenden Wochenende” (das inzwischen das vergangene ist) hinziehen, woraus sich vielleicht die Erwartungshaltung ableiten könnte, dass es im Laufe dieser Woche auch hier mal eine Besetzungsliste mit Namen der Sprecher zu lesen geben könnte. (Auch wenn ich glaube, dass jeder, der momentan dieses Blog liest, auch zum Vorsprechen angetanzt ist und somit von uns bescheid bekommen hat, wenn es schon was Finales zu sagen gibt.)
Ich fürchte aber, das wird sich, ahem, bis nach dem kommenden Wochenende hinziehen. Dann sollten wir aber alle Rollen für Folge 1 besetzt haben und die Sprecher veröffentlichen können.
∴
Meine To-Do-Liste momentan:
- Besetzung zu Ende klären
- Letzte Sprechproben durchführen
- Proben- und Aufnahmetermine vereinbaren
- Drehbuch für Folgen 3 – 6 überarbeiten
- Sounddesign unterstützen
Aktuelle Statistik: 77 Eingeladene; 23 besetzte Rollen; 33 durchgeführte Sprechproben; ein offener Termin mit einer Sprecherin; 4 ausstehende Fern-Vorsprechen; 8 allgemeine Zusagen; 9 Absagen
Letzter Film: “Lawrence of Arabia”, weil ich gestern endlich mal wieder einen ganzen Nachmittag und abend frei hatte
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