7. Februar 2009 · 19:07
Man könnte dieses Blog lesen und denken, dass zwischen den Aufnahmeterminen am Wochenende nichts passiert, weil ja alle Einträge momentan nur von den Aufnahmen handeln und zwischen Samstag und Montag abend geschrieben werden. Das wäre aber nur bedingt richtig. Natürlich machen wir unter der Woche so Dinge wie arbeiten bzw. studieren und haben vielleicht sogar abends noch etwas Privatleben, aber es gibt da trotzdem noch ein paar relativ unmerkliche Nebenschauplätze.
Zum einen kostet die Vorbereitung eines Aufnahmetermins — diese Woche erst am Sonntag, weshalb ich die Zeit für das Schreiben dieses Eintrags auch schon gleich von meiner Frei- oder Schlafenszeit abziehen kann –, die aus dem Zusammensuchen der nötigen und der möglichen Szenen besteht; also den Szenen, die am nächsten Tag aufgenommen werden müssen, weil sonst die Gastsprecherkombination nochmal koordiniert und eingeladen werden muss, und den Szenen, die mit den anwesenden Hauptrollen außerdem noch, ohne Gastsprecher, aufgenommen werden könnten, wenn wir mit den Muss-Szenen schnell fertig sind und noch Lust und Zeit haben. Dazu gehört auch, dass ich all diese Szenen nochmal lese und mir genau vorstelle, was dabei eigentlich passiert (über das, was man am Ende hört, hinaus), weil ich garantiert ein paarmal gefragt werde und das Schreiben des Drehbuchs inzwischen zu lange her ist, um alles sofort aus dem Ärmel schütteln zu können, wie ich bei den letzten Malen peinlich berührt feststellen musste.
Nach den Aufnahmen bin ich dann noch zwei oder drei Abende damit beschäftigt, die besten Takes einer Szene bzw. der Teile einer Szene zu finden, um Regie-Gelaber am Anfang und am Ende zu bereinigen und zu einer kompletten Szene zusammenzuschneiden. Dabei gibt es dann gelegentlich einzelne Worte oder Sätze, die dann doch in anderen Takes (oder bei gesonderten Nach-Aufnahmen) besser waren, was dann sehr filigranen und relativ zeitaufwendigen Feinschnitt erfordert. Dafür ist das Ergebnis dann aber natürlich umso befriedigender.
In der vergangenen Woche hatte ich darüber hinaus noch zwei Gastsprecher zu, äh, Gast, wobei beide Aufnahmen von technischen Problemen geplagt waren: In einem Fall hatte sich ein fieses Krächzen in die Aufnahme geschlichen, das Jan aber mittels eines eigentlich für alte Schallplatten gedachten Filters größtenteils entfernen konnte, im anderen ließ sich die externe USB-Soundkarte erst gar nicht zum Arbeiten bewegen, und nachdem das wieder ging, war das Aufnahmeprogramm verwirrt, was sich zwar mit einem einfachen Handgriff wieder geradebiegen ließ, den mir Jan aber erst zwei Tage später zeigen konnte — nämlich heute, als wir eine Not-Technikstreichelsitzung an unserem eigentlich-freien-Tag eingelegt haben.
Die zweite Hälfte der Eigentlich-war-mit-der-Technik-ja-doch-alles-in-Ordnung-Sitzung heute nutzten wir dann für das weitere Planen der Soundeffekte, wobei u.a. herauskam, dass es eigentlich sehr sinnvoll wäre, wenn ich jeden notwendigen Soundeffekt im Detail aufzähle und benenne, ganz besonders diejenigen, die zur eigentlichen Handlung gehören (“Cue-Effekte”), also Tastenklicks, Türen, Schritte usw. usf.
Auch touchiert haben wir dabei das Thema Musik, über das ich wiederum letzte Woche mit Christian semi-intensiv am Telefon gesprochen habe und zu dem ich in der vergangenen Woche auf etlichen Bahnfahrten und in einem Wartezimmer diverse Notizen zur Struktur gemacht habe, was mir immer wieder das bekannte Elvis-Costello-Zitat “writing about music is like dancing about architecture” in den Sinn brachte.
Ja, ich glaube, das sind jetzt alle Dinge, die hier im Hintergrund noch laufen, ohne dass ich bisher den Nerv hatte darüber zu bloggen. Natürlich koordiniere ich auch weiterhin Gastsprecher-Termine, wobei das langsam etwas Struktur zu bekommen scheint.
31. Januar 2009 · 23:32
Von den für heute geplanten vier Gastsprechern war leider nur eine da, aber momentan haben wir noch genug Szenen, die wir nur mit der Stammbesetzung bestreiten können, um dennoch einen ganzen Tag zu füllen. Das klappt aber vermutlich noch maximal ein weiteres Mal, danach sind wir dann durch und brauchen vor allem die Gastsprecher. Und ich hoffe inständig, dass wir das in Zukunft geballter organisiert bekommen und für die verbleibenden 20 Gastsprecher nicht 20 Aufnahmesitzungen durchführen müssen.
Auf jeden Fall haben wir heute wieder unseren Schnitt vom ersten Mal erreicht (23 Seiten, 15 % des Drehbuchs, in 8,5 Stunden einschließlich Mittagspause), das heißt, eigentlich sogar übertroffen, denn wir haben dabei noch ca. eine halbe Stunde lang Overdubs für einzelne Sätze oder Absätze aus Szenen von vor zwei Wochen aufgenommen, die in den 23 Seiten gar nicht enthalten sind. Anderseits wurden aber auch einzelne Minirollen mit ein, zwei Worten temporär von mir gesprochen, so dass von den 23 Seiten noch ein bisschen fehlt — aber das war vor zwei Wochen genauso.
Trotzdem haben wir jetzt insgesamt übern dicken Daumen 50 Seiten (32 %) in 20 Stunden aufgenommen, und das grobe Verhältnis “1 Seite = 1 Minute Hörspiel” bewahrheitet sich weiterhin (wobei mit Soundeffekten noch ein bisschen dazukommen dürfte).
Weiter geht’s am Montag kurz mit Björn, der letzte Woche krank war, und dann den Sonntag darauf ohne Gastsprecher, mit fast allen verbleibenden Szenen für Folge 1, also nochmal gut 20 Seiten.
31. Januar 2009 · 21:20
Ein weiterer Tag, an dem wir es geschafft haben, Meike einen Lachflash zu bescheren ist beendet und es bleibt zu sagen, dass mir dieses Mal der Arm wehtat – naja nicht wirklich, aber zwischendurch etwas überbelastet war, weil ich den halben Tag fleißig für das Making of gefilmt habe.
Wenn wir so weiter machen haben wir bald 90 Stunden sehr amüsante Outakes, 2-3 Stunden Hörspiel, kurzum:
Wir sind fast da…
29. Januar 2009 · 14:01
Wir haben für die Aufnahmen vier Mikrofone zur Verfügung, weil das die Anzahl von guten Mikrofonen ist, die Jan besitzt und wir versuchen, im Wesentlichen mit Vorhandenem auszukommen. Da wir eins dieser Mikros im “Regieraum” (vormals mein Arbeitszimmer genannt) aufgebaut haben, damit Jan und ich während der Takes, bzw. im Anschluss, mit den Sprechern reden können, haben wir nur drei Mikros für Sprecher.
Da aber in etlichen Szenen vier Leute miteinander reden, müssen wir diese Szenen in Abschnitte von manchmal nur einer drittel Seite unterteilen, in denen eben nur zwei oder drei Leute vorkommen, und das dann hinterher zusammenschneiden. Lange Szenen müssen wir ohnehin in Abschnitten aufnehmen, weil wir keine Möglichkeit gefunden haben, Seiten umzublättern oder -sortieren, ohne dass das auf der Aufnahme als fürchterliches Geraschel zu hören ist. Und da auf den verwendeten Sprecherpulten maximal drei Seiten nebeneinander Platz haben, ist das dann auch die maximale Länge, die wir am Stück aufnehmen können.
Ich mache mir etwas Sorgen, dass darunter die Spontaneität und das “Feeling” der Gespräche leiden könnte, aber bisher habe ich noch immer einen guten Punkt zum Pausieren gefunden. Allerdings habe ich auch noch bei weitem nicht alle Szenen daraufhin durchsehen können, weil das Planen der Aufnahmen und Sprecher schon so viel zu viel Zeit kostet.
Außerdem vermindert es ein wenig die Chance, dass ein Versprecher einen eeewig langen Take ruiniert, aber es führt andererseits auch dazu, dass das Vorankommen sich manchmal seeehr zieht. (“Wir haben jetzt 1.1a-2 fertig, kommen wir jetzt zu 1.1b-1.”)
26. Januar 2009 · 17:21
Der kurze Aufnahmetermin am vergangenen Samstag hat die Statistik jetzt etwas versaut, weil wir nach einer kleinen Startverzögerung auch noch jedes denkbare technische Problem — und noch ein paar neue — mitgenommen haben.
Trotzdem haben wir jetzt einen weiteren Gastsprecher, Karsten, “durch” — Björn war leider doch schwerer ergrippt als angenommen — und in gut drei Stunden ohne nennenswerte Pausen weitere vier Minuten bzw. 4,5 Seiten im sprichwörtlichen Kasten. Darunter ist auch die Anfangsszene, auf die wir natürlich besonderen Wert gelegt haben, da sie ja gewissermaßen unser Aushängeschild ist.
Weiter geht’s am kommenden Samstag mit einem “vollen” Aufnahmetag und ca. vier Gastsprechern, wobei zwei noch nichts von ihrem Glück wissen (aber den Tag grundsätzlich angeboten haben) und einer zwar angemailt wurde, aber noch nicht zugesagt hat. (Aber solange am Ende ein schönes Hörspiel rauskommt, telefoniere ich auch gern Leuten hinterher.)
22. Januar 2009 · 16:23
Das Finden von gemeinsamen Aufnahmeterminen von Hauptrollen und Gastsprechern — Jan, Sumire und ich haben sowieso alle Hoffnung auf freie Freizeit fahren lassen und sind allzeit bereit — war anfangs eine sehr nervenaufreibende Tätigkeit. Und das, obwohl mir das Erstellen von Listen und Tabellen ja wirklich Spaß macht.
Das lag u. a. daran, dass ich wegen des angekündigten Besuchs eines gar nicht wirklich als Sprecher eingeplanten Exilhamburgers als erstes versucht hatte, ihm eine passende Rolle zu geben und dafür dann einen passenden Termin mit den beiden anderen Gastsprechern abzumachen. Big mistake. Das führte zu ungefähr 20 E-Mails in alle Richtungen und schließlich zu keinem sinnvollen Termin, ohne jemand anders dazu zu zwingen, für eine Rolle von 6 Seiten (also ca. 2 Stunden Aufnahmezeit) an zwei Tagen vorbeizukommen oder derlei Unfug.
Seitdem ich mich von diesem Gedanken verabschiedet habe (er bekommt eine andere Rolle, die ohne weitere Gastsprecher aufgenommen werden kann) und von dem Traum des Aufnehmens in chronologischer Reihenfolge sowieso, kann ich das Ganze mit wesentlich mehr Entspannung betrachten und freue mich einfach, dass die langsam eintrudelnden Zeitangebote der Gastsprecher (weiße Flächen — dunkelgrau heißt “keine Zeit”, und blau sind Aufnahmetermine) diverse Aufnahmetermine nahelegen und es nur ganz wenige Fälle gibt, in denen ich mehrere Gastsprecher miteinander koordieren muss.
Ich bleibe gespannt, wie gut das zum Ende hin klappt — ob das alles “aufgeht”, oder ob wir diverse Zwei-Stunden-Termine wegen einzelner Leute machen müssen.
22. Januar 2009 · 12:54
Spaßig. Auf meine Erinnerungsmail wegen des am Samstag anstehenden Aufnahmetermins haben beide Gastsprecher mit einer Variante von “Ich hoffe, mein Hals ist dann wieder soweit in Ordnung” geantwortet, und Victor ist sowieso seit Mitte Dezember erkältet. Ich höre mich morgens auch kurz an wie James Earl Jones, aber ich bin ja auch egal, solange ich überhaupt noch sprechen kann. (Und eine später mal sehr wichtige Gastsprecherin ist gestern früh Berichten zufolge nahezu bei dem Versuch kollabiert, ihre Zimmertür zu öffnen.) Es liegt was in der Luft…
Wenigstens Meike ist gesund, sonst müsste ich Jan fragen, ob er einen allgemeinen Hustenfilter im Soundrepertoire hat.
19. Januar 2009 · 11:42
Die Rolle des Nachrichtensprechers in Folge 1 wird aus terminlichen Gründen nicht von Dirk Jannsen gesprochen (der uns aber nach heutigem Stand trotzdem in einer späteren Folge noch als Nachrichtensprecher begegnen wird).
Wir organisieren Ersatz (und sind nach wie vor für Bewerbungen offen).
18. Januar 2009 · 20:18
Wie OJ schon geschrieben hat, haben wir jetzt mehrere Stunden Sprechen hinter uns. Das heißt, einige von uns. Wie brilliant das Ganze war, wird man später sehen, aber eine Sache mus ich mal klarstellen. Ich hatte mit einigen Nebenwirkungen gerechnet, die mich am Ende dieses oder im Laufe des nächsten Tages ereilen werden, als da wären:
- Rauhe Stimme
- Halsschmerzen
- Heiserkeit
Aber nein, mitnichten. Nichts davon ist passiert; könnte daran liegen, dass ich beruflich den ganzen Tag telefoniere.
Nein, was schmerzte waren
- Die Füße
- Die Beine
- Das Kreuz
Und zwar so richtig.
Laut Aussagen gewisser Leute soll ein Korkfußboden ja gar nicht so hart sein, weil er ja nachgibt, aber das kann ich mit einem einem ganz klaren: “Yeah! As if!” kommentieren.
Stundenlang bewegungslos vor dem Mikro zu stehen ist doch irgendwie was anderes als bei Proben auf der Bühne rumzuhampeln. Man lernt nie aus. Das nächste Mal wird die Decke gleich auf den Boden gelegt.
(So eine von diesen Fleecedecken. Sehr warm und kuschelig an den Füßen und sehr weich. Kann ich nur weiter empfehlen)
18. Januar 2009 · 14:56
Mittels zweier Wäscheleinen, eines Ivar-Eckbalken und acht Tischdecken war es uns möglich, mein Schlaf- und Wohnzimmer akustisch deutlich hallfreier zu gestalten. Ich glaube, deshalb sieht meine Wohnung die nächsten Wochen erstmal so aus:
Wie’s mit den aufgehängten Tischdecken aussieht, fotografiere ich bei einem der nächsten Male.
PS, 19.1.: Sieht man, wann ich den Weißabgleich auf Kunstlicht gestellt habe? seufz
|