Maximale Hörbarkeit

3. Juni 2011 · 23:11
von Jan

Im Zuge der Arbeiten an diesem Hörspiel hat sich jetzt tatsächlich ein funktionierendes Arbeitsschema herausgebildet, was dadurch begünstigt wurde, daß ich mir eine volle Woche Urlaub genommen habe, um endlich mal am Stück etwas zu schaffen. Für die weitere Bearbeitung werden also die folgenden wiederkehrenden Schritte berücksichtigt:

  • Überarbeitung der Dialoge hinsichtlich Timing der Bewegungen innerhalb einer Szene
  • Anpassung der Blender-Animationen an den Nuendo-Mix inklusive Position des Rezeptors
  • Ergänzung der, sich durch die Bewegungen ergebenden, Foleys
  • Top-Down-Bearbeitung der vier Geräuschkategorien (Dialoge, Foleys, CUE-Sounds, Hintergrund)

Top-Down? Die Kategorien sind nach Präsenz geordnet, also Wichtigkeit für den Hörer. Das spiegelt sich in ihrer Lautheit wider. So herum zu arbeiten hat den Vorteil, daß der Mix nicht so schnell zu Brei wird, dadurch, daß man versucht, nachträglich Elemente in den Vordergrund zu bekommen. Das Blender-Storyboard hilft dabei erstaunlich viel, habe ich festgestellt, weil die gesamte Szenenstruktur dort ableg- und für die Arbeit am Nuendo-Mix abrufbar ist. Auf diese Weise kann man (fast) nichts vergessen.

Allerdings reicht es meistens nicht, einfach nur die Lautstärkeverhältnisse zwischen den Kategorien zu wahren. Das ist in erster Linie durch unsere Hörerwartung (richtig trennen!) und die vorwiegenden Hörsituationen begründet. Die Dynamik einer Geräuschkategorie wird bis auf ein Minimum reduziert, wie bei der Popmusik auch überall zu hören. Ich verwende dafür die 0dB-Normalisierung, die dafür sorgt, daß die einzelnen Audiospuren den maximalen Lautstärkepegel und zusätzlich die maximal tolerierbare Kompression erhalten. Das ist dann etwa so, als würde ich meine Möbel in einen Raum von 5 Zentimetern Höhe stellen wollen – also nichts für Freunde der klassischen Musik.

Den Aufwand betreibe ich aber nur für die Dialogspuren, um die Sprachverständlichkeit zu optimieren, oder zu maximieren. Da ein handelsüblicher Kompressor nicht unterscheiden kann, ob ein gesprochenes Wort geflüstert oder geschrien wird, mache ich mir die Mühe, die einzelnen Satzfetzen hinsichtlich ihres logischen Zusammenhangs zu beurteilen und die Lautstärken entsprechend zu korrigieren. Das ist im Nuendo-Mix dann eine riesige Schnippelei. Das Ergebnis ist aber durchaus die Mühe wert, denke ich.

Kategorie: Mix
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