Sweet dreams are made of this

5. Januar 2010 · 23:12
von OJ

Vor nur knapp 10 Monaten hatte ich erstmals davon erzählt, dass ich nicht ganz glücklich mit der Folgen-Aufteilung des ursprünglichen Drehbuchs vom Jahreswechsel 2008/2009 war. Den Schnitt zwischen Folge 5 und 6 nach vorne zu verlegen, um einen emotionalen „Beat“ besser auszunutzen, halte ich nach wie vor für eine gute Idee, bloß war damit Folge 5 extrem lang und Folge 6, gerade im direkten Vergleich, viel, viel zu kurz.

Ein Erweitern des Showdowns in Folge 6 war zwar möglich, aber nicht in einem Umfang, der dieses Missverhältnis wieder ausgeglichen hätte. Das war auch ein Grund, weshalb ich das Umschreiben, das ich mir im März vorgenommen und über Ostern skizziert hatte, erst am 12. November tatsächlich zu Ende gebracht habe.

Gestern abend habe ich dann mal die ja nun sehr weit fortgeschrittenen Aufnahmen der Folgen grob zusammengeschnitten und mir mal die Längen der einzelnen Folgen angeschaut.* Das Ergebnis war eher niederschmetternd:
Folge 1: voll im Plan
Folge 2: erstaunlich lang
Folge 3: eher kurz, aber noch okay
Folge 4: im Plan
Folge 5: unglaublich lang trotz teils schmerzhafter Kürzungen
Folge 6: viel zu kurz**

Trotzdem habe ich das gerade als dringendstes auf der To-Do-Liste stehende Durchhören der bisherigen Folgen heute beendet, und dabei fiel mir auf, dass die Breaks zwischen den Folgen 3/4 und 4/5 eigentlich gar nicht so fix sind und mit etwas Schnippelei habe ich jetzt eine Folge 1, die unverändert voll im Plan ist, und danach Folgen 2 bis 5 die alle fast genau gleichlang sind.

Die Länge der Abschlussfolge bleibt unklar — und das Einfügen von Handlungs-Geräuschen und Übergangsmusik wird das wie gesagt alles auch nochmal merklich verändern –, aber wenn ich gleich ins Bett gehe, werde ich wenigstens nicht mehr das Gefühl haben, dass der erste Gedanke der Hörer am Ende der letzten Folge sein wird: „Oh, die ist jetzt aber ganz schön kurz.“

  1. * Da das Timing noch absolut nicht endgültig ist und bestimmt noch Veränderungen im Minutenbereich nach sich zieht, halte ich mich mit konkreten Zahlen mal zurück. Als Größenordnung: Für die ursprüngliche Vermutung, 27 Seiten pro Folge müssten ja eigentlich ungefähr 27 Minuten entsprechen, brauche ich mich noch nicht zu schämen.
  2. ** Ein Effekt, der dadurch verstärkt wurde, dass noch mindestens 5 Minuten für diese Folge am Samstag aufgenommen werden müssen. Auch was für Folge 5, aber dafür gibt es schon temporäres „Füllmaterial“.
Kategorie: Schnitt
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The road goes ever on

19. November 2009 · 18:54
von OJ

Nachdem ich wie gesagt vergangene Woche das mich seit März latent nervende Umschreiben der Endszene hinter mich gebracht habe, habe ich endlich wieder richtig Freizeit kann ich mich nun anderen anstehenden Aufgaben widmen. Zum einen ist da natürlich „das Übliche“, also das Schneiden der aufgenommenen Takes zu den endgültigen Szenen (wäre eigentlich am Wochenende noch dran gewesen, hatte ich aber am Samstag keine Energie mehr für, und am Sonntag keine Zeit), das (in letzter Zeit arg schleifen gelassene) Organisieren der verbleibenden Sprechertermine und das (sehr spaßige, aber auch enorm zeitaufwändige) Durchhören der Aufnahmesessions auf interessante Albernheiten, vulgo Outtakes.

Eigentlich hatte ich immer gesagt, dass ja nach den Aufnahmen die Zeit kommt, in der ich mich nach Jahren des Drehbuchschreibens und im Endeffekt vermutlich auch eines Jahres Sprechproben und Aufnahmen etwas zurücklehnen und Jan die Arbeit machen lassen kann. Es stellt sich bloß langsam heraus, dass es in der Postproduction so viel zu tun gibt, dass ich das Jan nicht allein zumuten kann, schon gar nicht als frischgebackener Vater. Also haben wir neulich mal ein bisschen skizziert, wie ich oder ggf. auch andere Leute behilflich sein können. Das Durchschauen des mit Jans und Sumires HD-Videokamera aufgenommenen Behind-the-scenes-Materials haben wir z.B. bereits an Don abgegeben, aber für mich bleiben nach dem neulich gefassen Plan noch Themen wie:

Durchhören der bisher fertig geschnittenen Szenen. Sozusagen die „Endabnahme“ der Szenen. Gerade am Anfang habe ich einfach den bei der Aufnahme als optimal markierten Take genommen und vielleicht noch einen Satz oder zwei ersetzt, wenn ein auffälliger Versprecher drin war. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, für jeden Satz, den ich nicht 100%ig perfekt finde — o Wunder, sowas gibt’s dann beim In-Ruhe-nochmal-Durchhören relativ oft doch noch –, in allen Takes eine bessere Version zu suchen. Das könnte ich damit für mindestens die bis März/April aufgenommenen Sessions nachholen.

Einfügen von Platzhalter-Geräuschen. Das habe ich für die ersten acht Szenen oder so Anfang des Jahres mal gemacht, aber damals bei unserer sehr kurzen (und rückblickend vielleicht etwas verfrühten) Serie mit Soundmix-Beispielen nicht mitveröffentlicht, weil es ganz schön peinlich war. Das ist noch eine wichtige Regie-/Schnitt-Aufgabe, weil erst dadurch das Timing der Szene endgültig festgelegt wird.

Liste der benötigten Geräusche erstellen. Das ergibt sich quasi nebenher beim Einfügen der Platzhalter-Geräusche und erzeugt kaum Zusatzarbeit, wenn ich etwas überlegt vorgehe. Hier ist natürlich der Vorteil, dass Jan mit einer solchen Liste etwas besser einschätzen kann, in wieviel Varianten er z.B. die Geräusche eines Sessels aufnehmen muss.

Unterstützung beim Aufnehmen und Schneiden der Geräusche nach der o.g. Liste. Muss man, glaube ich, nicht groß erklären, aber es ist natürlich ziemlich zeitraubend.

Temp-Musik finden und einfügen. Sowas ist bei Filmen ja gang und gäbe, und gerade in Anbetracht unserer Musiker-Situation* ist es sicher auch bei uns sinnvoll, die momentan nur als „MUSIK (SPANNEND)“ oder „MUSIK: TIME-CUT (HOFFNUNGSVOLL)“ oder so vorhandenen Musikpausen auch außerhalb meines Kopfes etwas konkreter zu machen. Wie einer unserer Sprecher so richtig bemerkte, ist der Score zu „Moon“** ein guter Ausgangspunkt. Ich zögere lediglich etwas, weil ich Angst habe, meine Lieblingsmusik („Moon“ und andere) durch hundertmaliges Hören kurzer Passagen auf ewig nur noch mit diesem Hörspiel zu verbinden.

Modellieren der Szenen in 3D und Einstellen der Bewegungen. Das klingt jetzt vielleicht etwas esoterisch — ich habe Jans Grobkonzept zu dem Thema erst richtig verstanden, oder vielmehr glauben können, als er mir das mal am Rechner demonstriert hat –, aber ein relativ grobe 3D-Darstellung der einzelnen Handlungsorte einschließlich der Platzierung und Bewegung der Geräusch- und Dialogquellen (auch „Sprecher“ genannt) erlaubt — nach der enorm aufwändigen Vorarbeit, die Jan gerade leistet — dann ein relativ einfaches Ermitteln des Sounds am jeweiligen Audiofokus, sozusagen der „Kameraposition“ — nicht zuletzt im Hinblick auf einen x.1-Surround-Mix. <handwedel/> Das hast du jetzt nicht gelesen. Du wirst nach Hause gehen und Dein Leben überdenken.

Atemgeräusche aufnehmen. Das „automatische Mitaufnehmen“ von Atemgeräuschen der zuhörenden Sprecher hat sich leider nicht so sehr bewährt. Auf jeden Fall schon mal deshalb, weil bei den beiden Hauptsprecher-Mikrofonen das Übersprechen des gerade Sprechenden am anderen Mikro lauter ist als das Atmen des direkt vor dem Mikro stehenden Sprechers. Und das Atmen, was dann manchmal doch zu hören ist, lässt oft weniger auf „oh, wie interessant/bewegend, was der oder die andere da gerade sagt“ schließen als auf „hoffentlich verpasse ich gleich meinen Einsatz nicht oder verspreche mich wieder bei diesem einen Satz“. Deshalb wollen wir unsere drei wichtigsten Sprecher ihre gesamten Szenen noch mal als reine „Atmer“ durchspielen lassen. Das muss dann natürlich auch wieder geschnitten und dazugemixt werden.

Es gibt also noch ein bisschen was zu tun. Wenn ich mir das so angucke, frage ich mich, ob ich die derzeit in der FAQ geäußerte Schätzung von „Frühjahr 2010“ nicht nochmal überdenken sollte…

  1. * +++ Breaking News: Jan meint, er habe noch nicht genug zu tun und will auch die Musik machen. +++ Habe ich ja absolut nichts gegen, aber da ja auch noch etliche Monde ins Land gehen werden. bis das mit der Musik akut wird, habe ich die Suchanzeige erstmal drin gelassen.
  2. ** Noch kein deutscher Starttermin, lief im Sommer schon mal vorab auf dem Fantasy Filmfest. DVD und Score-CD (und Blu-Ray, natürlich) sind in England aber schon erhältlich. Der Film ist vermutlich mein Lieblingsfilm von 2009. Ende der Werbung.
Kategorie: Allgemeines
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Under pressure

9. November 2009 · 01:00
von OJ

Und jetzt wird es wieder spannend…

Wie es aussieht, findet am kommenden Samstag die letzte große Aufnahmesession statt; zumindest wäre es die letzte mit einem „großen“ Gastsprecher.* Das ist auf jeden Fall ein recht spannender Meilenstein.

Ein möglicher Stolperstein hingegen ist, dass ich die für diese Session aufzunehmende Szene immer noch nicht umgeschrieben habe. Aber ich habe an den meisten Nachmittagen der kommenden Woche noch nichts vor, und mein neuer Rechner ist auch bereits vollständig einsatzbereit. Ich bin voller Hoffnung…

  1. * Um und bei neun Mini-Rollen wären noch aufzunehmen, aber diese Aufnahmen geschehen dann vermutlich im sehr kleinen Kreis irgendwann an Feierabenden und dauern vielleicht jeweils eine halbe Stunde.
Kategorie: Sprachaufnahmen
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Writing is rewriting

25. März 2009 · 17:00
von OJ

Wie schon mal erzählt, habe ich im Februar 2008 das Drehbuch erstmals fertiggestellt und seit Anfang Januar 2009 eine fertige Version — „shooting draft“ würde man das beim Film nennen, also hier die Version, die als Grundlage der Aufnahmen dient. Von dieser Version gibt es bisher noch vier Revisionen mit kleineren Änderungen, insgesamt vielleicht zwanzig ersetzte Seiten, meist nur wegen eines oder zweier Worte.

Aber je mehr ich Abstand zu dem Drehbuch gewinne — also zum Storyaufbau — und je näher ich der Idee komme, dass man sich das tatsächlich mal anhören wird, desto mehr fällt mir auf, dass die letzten beiden Folgen strukturell nicht optimal sind. Konkret gibt es da einen Konflikt in Folge 6, dessen Auflösung sich in der jetzigen Version direkt anschließt, was irgendwie nicht wie eine ideale Ausnutzung des Spannungsbogens anfühlt. Außerdem ist der „Showdown“ in Folge 6 — auch das habe ich schon mal erwähnt — eigentlich etwas schmalbrüstig, d.h. es geht alles etwas zu schnell und gewissermaßen sogar zu einfach. Und nicht zuletzt ist Folge 5 von zwei sehr langen Gesprächen geprägt, die mich schon lange innerlich immer an „die Laberfolge“ denken lassen.

Die Lösung ist ganz offensichtlich: Ich straffe die Gespräche in Folge 5, wodurch der Konflikt ans Ende dieser Folge rutscht; dadurch gewinne ich dann außerdem „Platz“ in Folge 6 für einen längeren Showdown. Das Tolle dabei ist, dass wir noch keine der Szenen, die ich dazu anfassen muss, aufgenommen haben. Lediglich zwei kleine Verbindungsszenen von je einer halben Seite sind bereits aufgenommen und wären dann überflüssig; das kann ich allerdings verkraften, denn beim Aufnehmen merkte ich, wie schlecht diese Szenen eigentlich waren. (Gerade neulich morgen beim Raussuchen der Seitenzahlen der letzten Aufnahmesessions für den Eintrag von Montag fand ich eine Notiz „I shame me so for this scene“* am Rand des Notizzettels.)

Die Gespräche (zusammen so um die 15 Seiten) habe ich schon gekürzt, allerdings nicht ganz um die eigentlich benötigte Seitenzahl, so dass Folge 5 jetzt ein bisschen länger ist als die vorigen Folgen. Und da die letzte Folge natürlich nicht kürzer sein sollte als die davor, gibt es jetzt ca. 8 Seiten Showdown zu schreiben. Ich hoffe, die Eisdeerns haben diese Woche noch einen Platz für mich.

Spannend dabei ist, dass wir am Sonntag eines der langen Gespräche aufnehmen wollen und ich mich bis dahin entschieden haben muss, ob ich glaube, dass das mit meiner Überarbeitung klappt, oder ob ich doch zum weniger optimalen Shooting Draft zurückkehre.

  1. * Unter Umständen nur für Benutzer Hamburger U-Bahnen verständlich, aber das Internet hilft u.U. ein bisschen weiter.
Kategorie: Vorbereitung
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Before I forget

8. Februar 2009 · 09:57
von OJ

Die „Actionszene“, die wir letzte Woche aufgenommen haben, gefiel mir so gut — schon beim Read-through, aber bei der echten Aufnahme besonders –, dass ich den „Showdown“ noch etwas erweitern will. Die jetzige Version wirkte schon immer etwas kurz und simpel, und ich habe schon eine grobe Idee für etwas mehr Spannung an der Stelle. Und seitdem ich letzten Dienstag den Schnitt der Actionszene fertiggstellt habe, habe ich auch den Mut, das tatsächlich zu schreiben. Der eigentliche Showdown ist eher verbaler Natur, den werde ich bei der Gelegenheit auch noch mal anfassen.

Und auch wenn ich dank Wirtschaftskrise und Konjunkturpaket II demnächst, wie’s aussieht, einen Tag die Woche mehr Zeit (und etwas weniger Geld) habe, kommt das dann erst, wenn ich die ganzen Aufgaben eigentlich schon fertig haben muss.

Kategorie: Sprachaufnahmen
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Ascent

8. Januar 2009 · 20:30
von OJ

Ich habe jetzt die zweite Fassung des Drehbuchs* fertig, drucke sie gerade aus und vervielfältige sie morgen im Copyshop, was sich jetzt gerade beim Schreiben wahnsinnig professionell anhört und (nach drei Textmarkern und einer Packung Post-It-Pagemarker) die erste echte Ausgabe für das Hörspiel darstellen wird. Diese Fassung ist nicht nur eine Überarbeitung nach relativ langer Pause — was ja immer gut dafür ist, offensichtliche, blöde Fehler zu finden — sondern enthält auch schon Erfahrungen aus dem Vorsprechen — z.B. Änderungen am teilweise unerträglichen Geschwafel eines Charakters, den ich mal „die große Erklärerin“ nennen möchte — und meinem davon inspirierten Einmal-komplett-laut-Vorlesen, sowie auch schon Input der beiden Hauptdarsteller.

Zu meiner großen Freude bedeutet dies dann auch endlich das Ende der „anderthalbten Fassung“ des Drehbuchs, auf die ich das eine oder andere Mal während der Probeaufnahmen angesprochen wurde, obwohl das alles ganz logisch war: Die erste Fassung war die Version, von der ich das erste Mal glaubte, sie anderen Leuten zum Lesen geben zu können. Die zweite Fassung sollte eigentlich die Version sein, in der alle zwischen Februar und dem Vorsprech-Beginn im Oktober gemachten Anmerkungen umgesetzt waren — zu der bin ich bloß leider nie gekommen. Stattdessen habe ich nur Folgen 1 und 2 überarbeitet (weil Folge 1 und Teile von Folge 2 auf jeden Fall im ersten Aufnahmeblock aufgenommen werden sollten**). Da Seite 53 bis 154 mit der ersten Fassung identisch waren, habe ich die Version, die ich für die Vorsprechen dreimal ausgedruckt habe, eben „anderthalbte Fassung“ genannt.

Und weil ich ein Exemplar der ersten Fassung bereits ausgedruckt hatte und nur die ersten 52 Seiten ersetzt habe, die allerdings durch die Änderungen auf 53 Seiten erweitert worden waren, gab es Seite 53 in einem Exemplar doppelt und bei den beiden anderen stimmten die Seitenzahlen >52 nicht überein, was zu hunderttausend lustigen Fehlversuchen beim Finden irgendwelcher Textstellen führte. Sagte ich schon, dass ich mich darüber freue, eine neue Version zu haben?

Viel schöner ist aber der Grund für meinen morgigen Copyshop-Besuch: der für Samstag angesetzte, gemeinschaftliche Table read-through, denn darauf freue ich mich sehr, seit ich das erste Mal in irgendeinem Making of mit dem Konzept in Berührung kam. Als ob es nicht schon faszinierend genug wäre, dass Leute Dialoge spielen, die ich geschrieben habe …

  1. * Kann mir jemand sagen, wie das bei Hörspielen genau heißt? Nur „Buch“? „Skript“? Googeln nach „hörspiel drehbuch“ findet zwar genügend Treffer, dass ich mir deswegen keine großen Sorgen mache, aber trotzdem.
  2. ** Auch wenn wir jetzt alles am Stück und wild durcheinander aufnehmen, weshalb das relativ sinnfrei war.
Kategorie: Vorbereitung
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If I fall moondust will cover me

7. November 2008 · 12:32
von OJ

Langsam merke ich einen Anflug von Erschöpfung. Letztendlich hatte ich zwar nicht mal jeden zweiten Tag ein Vorsprechen (neun Termine in 20 Tagen), aber mit einem Vollzeitjob* tagsüber und noch der einen oder anderen privaten Verabredung oder Veranstaltung ist echte freie Freizeit – „me time“ sozusagen – doch etwas rar geworden.

Das Überarbeiten des Drehbuchs gewinnt langsam an Dringlichkeit (sicher kaum vorm Jahreswechsel, aber der ereilt einen ja üblicherweise immer viel schneller als man Anfang November für möglich hält), aber ich habe einfach keine Energie dafür. Ich hoffe, mein derzeitiger Plan funktioniert, nämlich, dass ich mir einfach mal eine Pause vom Schreiben nehme (d. h. in der U-Bahn zur und von der Arbeit stattdessen lese oder aus dem Fenster gucke), um dann nach Beendung der Sprechproben wieder voller Elan an die Dialoge zu gehen. Was für grauenhafte Grammatikmonster einige meiner Sätze in den seit Februar unbearbeiteten Folgen 3 bis 6 sind, merke ich erst, wenn ich Leuten zuhöre, die versuchen, diese Sätze natürlich (oder überhaupt) auszusprechen. „George, you can write this shit, but you can’t say it,“ soll Harrison Ford bei den Dreharbeiten zum ersten „Star Wars“-Film gesagt haben, und ich weiß, was er meint.

Was die Sprechproben natürlich auch auslösen, ist, dass einzelne Rollen sich in meinem Innersten langsam „besetzt“ anfühlen. Nein, ich verrate keine (Rollen- oder Sprecher-) Namen, und wenn noch jemand idealeres um die Ecke kommt, ist auch noch alles offen, aber es ist schon schön zu merken, dass sich das ganze jetzt wirklich sehr machbar anfühlt.

Meine To-Do-Liste momentan:

  • Sprechproben veranstalten
  • Drehbuch für Folgen 3 – 6 überarbeiten
  • Schlafen

Aktuelle Statistik: 77 76 Eingeladene; 2 vereinbarte (noch offene) Termine mit 3 Leuten; 3 grob geplante Terminen mit 6 Leuten; 11 allgemeine Zusagen ohne konkreten Termin, davon 2 mit Vorbehalt; 2 zeitliche/logistische Problemfälle; 22 durchgeführte Sprechproben; 9 Absagen

Letzter Film: Immer noch „Peter’s Friends“, frakkit.

  1. * Na gut, 35-Stunden-Woche.
Kategorie: Vorbereitung
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The Japanese connection

2. November 2008 · 14:44
von OJ

Wenn man sich die Credits in der Sidebar ansieht und die Namen Jan Mahn und Sumire Mahn-Matsuura findet, kann man schon denken, dass in Form der japanischen Hauptperson Jans Einfluss auf die Geschichte erkennbar ist, wie auch bei einem der ersten Vorsprechen unterstellt wurde.

Stimmt aber nicht. Die Hauptperson war so ungefähr das erste, was wir damals im Irish Rover besprochen und beschlossen haben.* Was heißt, „beschlossen“ … Ina wollte, glaube ich, nur ihr Faible für asiatische Frauen etwas ausleben und sagte sowas wie: „Gut, dann ist die Navigatorin Japanerin und heißt Kim, kurz für Kimiko.“ Jan und ich zuckten mit den Schultern und sagten: „Okay.“

Die Entscheidung wurde nie wieder in Frage gestellt.

  1. * Das war, wie gesagt, im Oktober oder November 2004 und Jahre, bevor Jan und Sumire sich überhaupt kennengelernt haben.
Kategorie: Vorbereitung
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The hot zone

31. Oktober 2008 · 15:44
von OJ

Die Fertigstellung des Drehbuchs bedeutete vor allem erst mal eins: Ich hatte mal wieder echte Freizeit. Freizeit ohne den leisen Druck im Hinterkopf, dass ich doch eigentlich das Drehbuch weiterschreiben müsste. Ich schickte es als PDF an Interessierte und ein paar Leute, die ich erst überreden musste, es zu lesen, und wartete ab. Die Resonanz war sehr ermutigend; es gab Kritikpunkte, klar, aber die Kritiken waren insgesamt sehr positiv, allen voran Florinas unsterblicher Satz: „Das ist so gut, ich kann gar nicht glauben, dass das von dir ist.“

Sowieso hatte ich schon immer bei der Erwähnung des Plans, ein Hörspiel produzieren zu wollen, mindestens amüsiertes Interesse geerntet (vielleicht weil meine Generation mit den drei ??? aufgewachsen ist), in einem Fall sogar ein hier nur unzureichend wiederzugebendes „Oh mein Gott, da müsst ihr mir unbedingt eine Rolle geben!!!“

Seitdem Jan — noch im Februar — das Drehbuch gelesen hatte, versuchten wir, mal über das weitere Vorgehen zu telefonieren, scheiterten aber stets* und besprachen unsere jeweiligen Anrufbeantworter bzw. Mailboxen, bis wir schließlich als eine Art Verzweiflungstat vor meinem anstehenden Sibiren-Sommerurlaub noch ein spontanes Treffen im Balzac Ende Juli zustande bekamen. Dessen Fazit war: Wir haben beide überhaupt keine Zeit dafür, das Hörspiel umzusetzen, aber wir haben Lust daruf, und deshalb tun wir’s einfach trotzdem.**

Nach meiner Rückkehr überarbeitete ich dann über den September mit Hochdruck das Drehbuch, um es, wenn schon vielleicht nicht vollständig fertig, dann doch wenigstens „vorsprechreif“ zu bekommen.*** Da Jan und Sumire „nebenbei“ noch Karstens Hochzeit vorbereitet haben, konnten wir endlich Mitte Oktober, eine Woche vor Eröffnung dieses Blogs, die Einladungsmail an die potentiellen Sprecher rausschicken, die z. T. schon seit Ewigkeiten darauf warteten.

Und damit wären wir dann wieder am Anfang. The circle of life …

  1. * Zumindest ich habe es auch nicht mit voller Energie versucht, was vor allem ein bisschen Angst vor der eigenen Courage war — wir konnten doch nicht einfach so ein Hörspieldrehbuch von mir aufnehmen. Das geht nun wirklich nicht.
  2. ** Eine alte Weisheit besagt ja: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.
  3. *** Die sibirische Überarbeitung war ausgefallen, da ich es auf dem Hinflug, auf dem als einziges genügend Zeit — und Energie — vorhanden gewesen wäre, lieber einer mitreisenden Germanistikstudentin zwecks einer weiteren Kritik überlassen habe.
Kategorie: Vorbereitung
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Adagio

26. Oktober 2008 · 16:39
von OJ

Aus der simplen Tatsache, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft das Jahr 2009 schreiben, lässt sich vermutlich schon ersehen, dass es mit meinem optimistischen Fertigstellungstermin „Frühjahr 2005“ nicht allzu weit her war. Denn nachdem der grobe Rahmen feststand und ich Anfang 2005 begonnen hatte, die Geschichte tatsächlich zu erzählen, gab etwas etwas privaten Tumult, der mich die ganze Idee komplett begraben und vergessen ließ.

Zum Ende des Jahres merkte ich dann aber, dass mir die Geschichte immer wieder in den Sinn kam und ich sie einfach zu Ende erzählen wollte. Deshalb nutzte ich meine einstündigen U-Bahn-Fahrten zur Arbeit und zurück ausführlich dazu, erst die Geschichte als Treatment und dann, so ab Frühjahr 2006, das Drehbuch selbst zu schreiben. Dabei gab es immer wieder Phasen, in denen mir Ideen und/oder Energie fehlte und ich für Tage oder Wochen keine Zeile zu Papier brachte.*

Der große Trick ist, dass ich beim Schreiben Leben um mich herum brauche. Die U-Bahn ist dazu schon ganz gut geeignet, aber noch besser klappt es ein einem Café, wie ich im Dezember 2006 in Amsterdam ausprobiert habe, als der Weg vom Flughafen zum ‚Skek so reibungslos klappte, dass ich eine glatte Dreiviertelstunde zu früh da war. Nach der Jahreswechsel-Hektik habe ich das dann in Hamburg bei den Eisdeerns auf halber Strecke zwischen Arbeit und Zuhause nochmal ausprobiert, was mir so gut gefiel, dass ich von da an ein- bis zweimal wöchentlich dort auftauchte — bis der Frühling nahte und der Laden nonstop voller schreiender oder zumindest lautstark spielender Kinder war, was mich zwar für die Inhaberinnen Moigge und Geeske freute, aber dann doch zu viel Leben zum Schreiben war.

Den Sommer über habe ich dann wieder mehr in der Bahn geschrieben, bin aber im Herbst wieder zu den Eisdeerns zurückgekehrt. Und Hallowe’en 2007 — 18:04, sagt meine Notiz — habe ich dann dort endlich die letzte Szene schreiben können, die ich seit dem ersten Abend im Irish Rover drei Jahre vorher im Kopf gehabt hatte, und Mitte Februar 2008 war dann tatsächlich etwas fertig, das ich mich traute, „erste Fassung“ zu nennen.

Faszinierend war dabei, dass die Länge genau so war, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Mir war schnell klar geworden, dass die Geschichte zu lang für ein durchgängiges Hörspiel sein würde; weniger aus Rücksicht auf den Hörer, sondern mehr unseretwegen, weil wir sonst ca. zweieinhalb Stunden Hörspiel hätten aufnehmen und mixen müssen, bevor wir das erste Fitzelchen externes Feedback bekommen hätten. Ich hatte daher immer an sechs Folgen gedacht** und an einigen Stellen Notizen gemacht, dass hier ein mögliches Folgenende wäre. Und wundersamerweise hatte ich auf den Seiten 26, 52, 78 und 130 eine solche Notiz, nur für Seite 104 musste ich ein Folgenende erfinden, aber auch da passte es wunderbar.

(to be concluded)

  1. * Ja, ich schreibe mit der Hand auf Papier und tippe das dann später ab, was gleichzeitig als erste Überarbeitung dient. (Teilweise zwangsläufig, weil ich meine eigene Handschrift aus Bus und Bahn nicht mehr lesen kann.)
  2. ** Keine Ahnung, wie ich auf die Zahl kam; ich fürchte, es könnte was mit Star Wars zu tun haben, ist aber keine Absicht. Und vor allem fängt es nicht bei Folge 4 an. Das große Marketing-Bohei um „Episode I„, auch wenn es schon neun Jahre her ist, ist allerdings der Grund, weshalb ich konstant von „Folgen“ spreche und nie von „Episoden“.
Kategorie: Vorbereitung
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