The Japanese connection

2. November 2008 · 14:44
von OJ

Wenn man sich die Credits in der Sidebar ansieht und die Namen Jan Mahn und Sumire Mahn-Matsuura findet, kann man schon denken, dass in Form der japanischen Hauptperson Jans Einfluss auf die Geschichte erkennbar ist, wie auch bei einem der ersten Vorsprechen unterstellt wurde.

Stimmt aber nicht. Die Hauptperson war so ungefähr das erste, was wir damals im Irish Rover besprochen und beschlossen haben.* Was heißt, „beschlossen“ … Ina wollte, glaube ich, nur ihr Faible für asiatische Frauen etwas ausleben und sagte sowas wie: „Gut, dann ist die Navigatorin Japanerin und heißt Kim, kurz für Kimiko.“ Jan und ich zuckten mit den Schultern und sagten: „Okay.“

Die Entscheidung wurde nie wieder in Frage gestellt.

  1. * Das war, wie gesagt, im Oktober oder November 2004 und Jahre, bevor Jan und Sumire sich überhaupt kennengelernt haben.
Kategorie: Vorbereitung
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The hot zone

31. Oktober 2008 · 15:44
von OJ

Die Fertigstellung des Drehbuchs bedeutete vor allem erst mal eins: Ich hatte mal wieder echte Freizeit. Freizeit ohne den leisen Druck im Hinterkopf, dass ich doch eigentlich das Drehbuch weiterschreiben müsste. Ich schickte es als PDF an Interessierte und ein paar Leute, die ich erst überreden musste, es zu lesen, und wartete ab. Die Resonanz war sehr ermutigend; es gab Kritikpunkte, klar, aber die Kritiken waren insgesamt sehr positiv, allen voran Florinas unsterblicher Satz: „Das ist so gut, ich kann gar nicht glauben, dass das von dir ist.“

Sowieso hatte ich schon immer bei der Erwähnung des Plans, ein Hörspiel produzieren zu wollen, mindestens amüsiertes Interesse geerntet (vielleicht weil meine Generation mit den drei ??? aufgewachsen ist), in einem Fall sogar ein hier nur unzureichend wiederzugebendes „Oh mein Gott, da müsst ihr mir unbedingt eine Rolle geben!!!“

Seitdem Jan — noch im Februar — das Drehbuch gelesen hatte, versuchten wir, mal über das weitere Vorgehen zu telefonieren, scheiterten aber stets* und besprachen unsere jeweiligen Anrufbeantworter bzw. Mailboxen, bis wir schließlich als eine Art Verzweiflungstat vor meinem anstehenden Sibiren-Sommerurlaub noch ein spontanes Treffen im Balzac Ende Juli zustande bekamen. Dessen Fazit war: Wir haben beide überhaupt keine Zeit dafür, das Hörspiel umzusetzen, aber wir haben Lust daruf, und deshalb tun wir’s einfach trotzdem.**

Nach meiner Rückkehr überarbeitete ich dann über den September mit Hochdruck das Drehbuch, um es, wenn schon vielleicht nicht vollständig fertig, dann doch wenigstens „vorsprechreif“ zu bekommen.*** Da Jan und Sumire „nebenbei“ noch Karstens Hochzeit vorbereitet haben, konnten wir endlich Mitte Oktober, eine Woche vor Eröffnung dieses Blogs, die Einladungsmail an die potentiellen Sprecher rausschicken, die z. T. schon seit Ewigkeiten darauf warteten.

Und damit wären wir dann wieder am Anfang. The circle of life …

  1. * Zumindest ich habe es auch nicht mit voller Energie versucht, was vor allem ein bisschen Angst vor der eigenen Courage war — wir konnten doch nicht einfach so ein Hörspieldrehbuch von mir aufnehmen. Das geht nun wirklich nicht.
  2. ** Eine alte Weisheit besagt ja: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich.
  3. *** Die sibirische Überarbeitung war ausgefallen, da ich es auf dem Hinflug, auf dem als einziges genügend Zeit — und Energie — vorhanden gewesen wäre, lieber einer mitreisenden Germanistikstudentin zwecks einer weiteren Kritik überlassen habe.
Kategorie: Vorbereitung
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Adagio

26. Oktober 2008 · 16:39
von OJ

Aus der simplen Tatsache, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft das Jahr 2009 schreiben, lässt sich vermutlich schon ersehen, dass es mit meinem optimistischen Fertigstellungstermin „Frühjahr 2005“ nicht allzu weit her war. Denn nachdem der grobe Rahmen feststand und ich Anfang 2005 begonnen hatte, die Geschichte tatsächlich zu erzählen, gab etwas etwas privaten Tumult, der mich die ganze Idee komplett begraben und vergessen ließ.

Zum Ende des Jahres merkte ich dann aber, dass mir die Geschichte immer wieder in den Sinn kam und ich sie einfach zu Ende erzählen wollte. Deshalb nutzte ich meine einstündigen U-Bahn-Fahrten zur Arbeit und zurück ausführlich dazu, erst die Geschichte als Treatment und dann, so ab Frühjahr 2006, das Drehbuch selbst zu schreiben. Dabei gab es immer wieder Phasen, in denen mir Ideen und/oder Energie fehlte und ich für Tage oder Wochen keine Zeile zu Papier brachte.*

Der große Trick ist, dass ich beim Schreiben Leben um mich herum brauche. Die U-Bahn ist dazu schon ganz gut geeignet, aber noch besser klappt es ein einem Café, wie ich im Dezember 2006 in Amsterdam ausprobiert habe, als der Weg vom Flughafen zum ‚Skek so reibungslos klappte, dass ich eine glatte Dreiviertelstunde zu früh da war. Nach der Jahreswechsel-Hektik habe ich das dann in Hamburg bei den Eisdeerns auf halber Strecke zwischen Arbeit und Zuhause nochmal ausprobiert, was mir so gut gefiel, dass ich von da an ein- bis zweimal wöchentlich dort auftauchte — bis der Frühling nahte und der Laden nonstop voller schreiender oder zumindest lautstark spielender Kinder war, was mich zwar für die Inhaberinnen Moigge und Geeske freute, aber dann doch zu viel Leben zum Schreiben war.

Den Sommer über habe ich dann wieder mehr in der Bahn geschrieben, bin aber im Herbst wieder zu den Eisdeerns zurückgekehrt. Und Hallowe’en 2007 — 18:04, sagt meine Notiz — habe ich dann dort endlich die letzte Szene schreiben können, die ich seit dem ersten Abend im Irish Rover drei Jahre vorher im Kopf gehabt hatte, und Mitte Februar 2008 war dann tatsächlich etwas fertig, das ich mich traute, „erste Fassung“ zu nennen.

Faszinierend war dabei, dass die Länge genau so war, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Mir war schnell klar geworden, dass die Geschichte zu lang für ein durchgängiges Hörspiel sein würde; weniger aus Rücksicht auf den Hörer, sondern mehr unseretwegen, weil wir sonst ca. zweieinhalb Stunden Hörspiel hätten aufnehmen und mixen müssen, bevor wir das erste Fitzelchen externes Feedback bekommen hätten. Ich hatte daher immer an sechs Folgen gedacht** und an einigen Stellen Notizen gemacht, dass hier ein mögliches Folgenende wäre. Und wundersamerweise hatte ich auf den Seiten 26, 52, 78 und 130 eine solche Notiz, nur für Seite 104 musste ich ein Folgenende erfinden, aber auch da passte es wunderbar.

(to be concluded)

  1. * Ja, ich schreibe mit der Hand auf Papier und tippe das dann später ab, was gleichzeitig als erste Überarbeitung dient. (Teilweise zwangsläufig, weil ich meine eigene Handschrift aus Bus und Bahn nicht mehr lesen kann.)
  2. ** Keine Ahnung, wie ich auf die Zahl kam; ich fürchte, es könnte was mit Star Wars zu tun haben, ist aber keine Absicht. Und vor allem fängt es nicht bei Folge 4 an. Das große Marketing-Bohei um „Episode I„, auch wenn es schon neun Jahre her ist, ist allerdings der Grund, weshalb ich konstant von „Folgen“ spreche und nie von „Episoden“.
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The beginning is a very delicate time

23. Oktober 2008 · 11:00
von OJ

Irgendwo habe ich noch den Zettel, auf den ich im Herbst 2004 die Worte „truckers in space“ schrieb, als ich bei einer Schulung in einer badischen Kleinstadt abends im Hotelzimmer saß. Das war eine Idee, die ich nur so am Rande notierte, denn wozu sollte ich als Anfänger bitte ein Science-Fiction-Drehbuch in Deutschland schreiben? Wer sollte das denn verfilmen wollen?

Aber ich mochte die Idee trotzdem: Raumfahrt, die schon alltäglicher ist und von weniger ausgebildeten Leuten durchgeführt wird als die derzeitigen Space-Shuttle-Missionen oder „Enterprise“, aber noch nicht so sehr Alltag ist wie in „Alien“. Deshalb fragte ich mich noch, was denn der Auslöser der Geschichte sein könnte, und mir fiel der alte Klassiker ein: Die Besatzung des Raumschiffs, die „truckers in space“ eben, finden an ihrem Zielort auf dem Mars — die Raumfahrt sollte noch nicht zu weit weg führen — nur Tote, Menschen und unbekannte Aliens. Aber, und das fand ich dann ein bisschen originell, die Aliens stellen sich als Gummipuppen heraus, die nur für die Kameras eines Nachrichtenteams platziert wurden.

Ein paar Monate später hatte Jan die Idee, Ina zum Geburtstag einen Pappmachépinguin ein Hörspiel basierend auf ihrer eigenen Kurzgeschichte aufzunehmen und fand in Antje, Olaf und mir begeisterte Mitstreiter, die eines Samstags tatsächlich das etwa zwölfminütige Hörspiel „Brothers in Arms“ aufnahmen.* Mit dem Ergebnis waren wir nur halb zufrieden: Die Soundeffekte waren grandios, die Sprecher bestenfalls akzeptabel und die Story insgesamt trotz einer netten Wendung nicht so der Kracher.

Trotzdem waren wir alle enorm glücklich mit der Erfahrung — außer Ina natürlich, die nichts davon hatte mitbekommen dürfen, weil es ja ein Geburtstagsgeschenk war, und die außerdem sagte, dass die Story doch gar nicht so toll sei und die Mühe nicht wert. „Na ja“, sagten wir, „dann machen wir sowas halt nochmal und diesmal mit einer besseren Geschichte.“ Da ich schon mein Leben lang geschrieben habe und mal was Sinnvolles schreiben wollte, fühlte mich dabei natürlich sofort berufen, diese neue Geschichte zur Verfügung zu stellen, und wenige Sekunden später fielen mir die „truckers in space“-Notizen wieder ein, und gemeinsam mit Ina und Jan überlegte ich bei ein paar Guinness weitere Elemente der Geschichte — so zum Beispiel, warum jemand gefälschte tote Aliens auf dem Mars drapiert, und wer —, um dann bald das Drehbuch für das Hörspiel fertig zu haben. Ich glaube, ich hatte dafür das Frühjahr 2005 angepeilt …

(to be continued)

Falls jemand sich einbildet, dass die Überschrift sich schon zweimal geändert hat (von „time“ am Ende zu „phase“ und wieder zurück), so ist das völlig korrekt. Ich habe mich entschlossen, jetzt einfach mal Wikiquote zu glauben; in der IMDb steht’s leider nicht.

  1. * Das war nur die Aufnahmesession für die drei Charaktere; Jan hat dann hinterher noch allein den Erzähler aufgenommen, der gut die Hälfte des Gesamttextes zu sprechen hatte, und etliche Wochen mit dem Mix verbracht.
Kategorie: Vorbereitung
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